Derselbe Mond

Flüchtlinge in Deutschland, das bedeutet für einige nichts als mit Befürchtungen verbundene abstrakte Zahlen. Flüchtlinge, das sind Menschen, die nicht ohne Grund ihr bisheriges Leben aufgegeben haben, um in einem fremden Land ein neues Leben aufzubauen – möglichst mit ihrer Familie. Wie schwierig das ist, können wir uns vom bequemen Sofa in Deutschland aus kaum vorstellen.

Biggi Mestmäcker bringt uns mit ihrem Buch ‚‚Wir sehen alle denselben Mond‘‘ das Schicksal eines syrischen Flüchtlings nahe, der alleine den schwierigen Weg aus der alten Heimat u. a. über das Mittelmeer auf sich nahm, um in Deutschland ein neues Leben für sich und seine Familie aufbauen zu können. 

‚‚Ein Bericht‘‘ ist die unglaubliche Geschichte, so ist vorsorglich auf dem Titelblatt vermerkt, kein ausgedachter Roman. Und doch oder gerade deshalb fesselt das Buch von der ersten Seite an. Biggi Mestmäcker berichtet so mitreißend über die schwierige Geschichte einer Familienzusammenführung, dass man das Buch kaum weglegen mag, bevor Elias, der Protagonist des Berichts, wieder mit seiner Frau Mari und seinem Sohn Joni vereint ist. Familiennachzug, das klingt für Unbedarfte ganz leicht. Wie schwierig ein Familiennachzug tatsächlich umzusetzen ist, kann niemand auch nur erahnen, der nicht direkt damit konfrontiert ist.
Eine weitere Besonderheit dieses Buchs ist die Zweisprachigkeit. Die abenteuerliche Geschichte des Familiennachzugs wird auf Deutsch und auf Arabisch erzählt.

Auf der Website des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) heißt es lapidar, aber bereits für deutsche Muttersprachler schwer verständlich: ‚‚Asylberechtigte Schutzberechtigte, denen die Flüchtlingseigenschaft oder subsidiärer Schutz zuerkannt worden ist, haben das Recht auf privilegierten Familiennachzug.‘ Biggi Mestmäcker nimmt die Leser mit auf die schwierige Reise durch den komplizierten Dschungel an Regeln und Vorschriften, der nur schwer zu durchdringen ist. Und dabei geht es um Menschen: um einen Sohn, der seinen Vater braucht, um ein Ehepaar, das die räumliche Trennung überwinden will, um die Gefühle von Menschen, die lernen müssen, mit Ungewissheiten umzugehen.

Nicht jeder hat so viel Glück wie Elias, der in Biggi Mestmäcker eine unermüdliche Unterstützerin fand und letztlich alle behördlichen Schritte in vergleichsweise überschaubarer Zeit erledigen konnte. Zu wünschen wäre ähnliches Glück allen bangenden Flüchtlingsfamilien. Die Lektüre des Buchs ist auf jeden Fall lohnend für alle, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben.

Falls sich übrigens noch der eine oder die andere fragt, was das alles mit dem Mond des Titels zu tun hat: Im Buch wird's verraten.

Wir sehen alle denselben Mond

Wir sehen alle denselben Mond. Gegen alle Widerstände – Familiennachzug aus Syrien

von Biggi Mestmäcker
tredition 2017, 256 S., Taschenbuch Euro 12,90, ISBN 3743927888

Website zum Buch: http://wirsehenalledenselbenmond.de

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