Rosen im Islam | zurück | Der "Türkentrank"


Der wahre Abgrund zwischen Deutschen und Türken

Vergessen Sie den Kampf der Kulturen und ähnlichen wissenschaftlichen oder pseudowissenschaftlichen Unfug. Es handelt sich dabei um Auswüchse von Schreibtischtätern, von Leuten also, die sich in der Abgeschiedenheit ihrer Studierstube überlegen, mit welcher abwegigen Theorie sie die Menschheit beglücken können.

Mit dem wirklichen Leben hat das nichts zu tun.
Lassen Sie sich das gesagt sein von einer, die seit fünfzehn Jahren Seite an Seite mit einem Mann vom Bosporus zusammenlebt.

Wie, meinen Sie, kommen Huntington und Co. zu ihren Theorien? Sie lesen ein paar Bücher, befragen vorsichtshalber noch ein paar andere Leute, mischen alles ein bisschen und hämmern das Ergebnis in ihren Laptop. Das ist wenig authentisch und geht am wahren Leben vorbei wie Otto Meier am Internetcafé. Folgen Sie also mir und dringen Sie in bislang verborgene Dimensionen vor.

Die beginnen da, wo jugendfreie Schriften und Filme diskret ins Off schwenken: an der Tür zum Schlafzimmer.

Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dürfen sich nun zu den wenigen glücklichen Auserwählten zählen, denen ein exklusiver Blick durchs Schlüsselloch direkt in die Intimsphäre eines deutsch-türkischen Paares gewährt wird.

Und da endlich offenbart er sich, der wahre Abgrund zwischen Deutschen und Türken, der — allen Anstrengungen zum Trotz — unüberwindbar bleibt. Folgendes Bild zeigt sich Ihnen, leicht verzerrt durch die unbequeme Schlüssellochperspektive:

ER (türkisch) rennt zur Heizung und dreht sie auf die höchste Stufe mit den Worten: “Mir ist so kalt!”

SIE (deutsch) rennt zur Heizung, dreht sie auf Null, reißt die Fenster auf und stöhnt: “Mir ist so heiß!”

Darauf rennt ER zur Heizung, dreht sie auf, SIE rennt zur Heizung, dreht sie herunter ... (die Dauer des Schauspiels ist abhängig von Alter, Gesundheit und Laune des beteiligten Paares).

Hinter dieser kuriosen Aufführung dräut die eine fundamentale Frage, die da lautet: trägt man beim Schlafen ein Unterhemd unter dem Schlafanzug oder nicht?

Religion, Rechte der Frauen und ähnliche Kleinigkeiten, ich bitte Sie. Kein vernünftiger Mensch streitet im Jahr 2002 noch über derart kleinliche Fragen. Es ist schließlich selbstverständlich, dass der Islam allen anderen Religionen überlegen ist (dasselbe gilt übrigens für das Christentum) und dass Frauen sowieso die besseren Menschen sind.

Aber versuchen Sie doch mal, mit Ihren türkischen Freunden über die Frage zu diskutieren, ob ein Kind ohne Unterhemd ins Bett darf. Glauben Sie mir, das tun Sie nur einmal, weil Sie auf der Stelle von den Wogen der Emotionen überrollt werden, die solch ketzerische Gedanken eines Kinder quälenden Unmenschen im Keim ersticken. Auch der zaghafte Hinweis auf den Rat des deutschen Pädiatrieprofessors wird von der türkischen Schwiegermama erbarmungslos hinweggefegt: “Deutsche Ärzte haben keine Ahnung.” Basta.

Die Ehe unseres deutsch-türkischen Paares aus dem Schlafzimmer droht an der Unterhemd-Frage zu zerbrechen. Schwiegermama fegt ungerührt die Scherben beiseite.

Da höre ich den Einwand der unverbesserlich Guten: diese armen Menschen, die aus sonnigen und warmen Gefilden in unser kaltes, unfreundliches Mitteleuropa gespült wurden, kein Wunder, dass sie sich nach ein bisschen Wärme sehnen und deshalb wenigstens ein Unterhemd in der Nacht und eine voll aufgedrehte Heizung haben wollen.

Ich kann nur erwidern: Haben Sie schon einmal den türkischen Mann aus dem Schlafzimmer in der Türkei gesehen, im Sommer, so bei, sagen wir mal, 30-40°C im Schatten, mit anderen Worten: bei sehr großer Hitze?

Jeden Sonnenstrahl aufs Sorgfältigste meidend, liegt er matt wie eine Flunder im Schatten, möglichst nah bei der auf höchster Stufe laufenden Klimaanlage ...

Anmerkung: Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind selbstverständlich rein zufällig!

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