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Heute — im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter des Internet, der rastlosen Geschwindigkeit in jedem Lebensbereich — ist es kein Problem, per Flugzeug in wenigen Stunden ans andere Ende der Welt zu gelangen. Halten wir einen Moment inne, um uns klar zu machen, dass Reisen vor 100, 200 oder 300 Jahren etwas anderes bedeutete als ein Flugtrip heute. Eine Reise dauert erheblich länger, wenn man hauptsächlich zu Fuß oder per Pferd unterwegs ist, ganz zu schweigen von den Umständen und Schwierigkeiten, von denen der moderne Reisende kaum noch weiß.
Ein Beispiel: noch in den 50er Jahren etwa reiste Freya Stark an der unwegsamen türkischen Südküste hauptsächlich zu Pferd - kaum vorstellbar für die Touristen heute, die in einer Stunde vom Flughafen Antalya in die Hotels in Kemer gebracht werden.
Frauenreisen in den Orient haben eine längere Tradition, als man annehmen mag. Zunächst waren es Nonnen, die Pilgerfahrten nach Jerusalem unternahmen, im Gefolge der Kreuzzüge dann gelangten Frauen der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten in den so genannten Orient. Neben armen Reisendinnen wie der Schweizerin Nina Bögli, die sich ihren Unterhalt als Dienstmädchen verdienen musste, finden sich reiche britische Ladys. Unter den reisenden Frauen gibt es Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen, Entdeckerinnen und Politikerinnen, deren Verdienste allerdings allzuoft angezweifelt wurden, wie etwa Freya Stark, Alexandra David-Néel, Kate Marsden. Man findet wurzellose Abenteurerinnen wie Isabelle Eberhardt oder “moderne” Reisende wie Ella Maillart, die in den Widrigkeiten ihrer Reise eine sportliche Herausforderung sehen. Nicht immer waren die Reisen ganz freiwillig, Aimée Dubucq de Rivery z.B. wurde als Sklavin verschleppt, und Lady Mary Montagu, der wir die berühmten Briefe aus dem Orient verdanken, folgte - weniger dramatisch - ihrem Ehemann, der als Gesandter in das damalige Konstantinopel geschickt wurde.
In diesem Zusammenhang interessieren hauptsächlich die Frauen, die den islamischen Orient im weitesten Sinne bereisten. Wohin die einzelnen Frauen reisten, hing nicht zuletzt von äußeren Umständen ab, etwa von kolonialen Beziehungen des bereisten Landes zum Herkunftsland. Daher die zahlreichen “Victorian Lady Travellers”, die die britischen Kolonien bereisten, während es z.B. Isabelle Eberhardt mit frankophonem Hintergrund (Schweiz, Frankreich) nach Nordafrika, besonders Algerien zog.
Die zentrale Frage aber ist das “Warum”, und sie ist am schwierigsten zu beantworten.Warum brachen diese Frauen auf, warum verließen sie ihren angestammten Platz am Herd, bei Kindern, Küche, Kirche?
Jede Reisende verdient eine eigene Antwort, aber so viel sei vorweg genommen: Ein zentrales Motiv ist die Suche nach dem eigenen Ich, verbunden mit der bewussten oder unbewussten Suche nach einer entsprechenden Landschaft (Annemarie Schwarzenbach fand ihr “glückliches Tal” in Afghanistan, die wurzellose Isabelle Eberhardt zog es immer wieder in die Wüste).
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