Strafe für den Fuchs

Einmal reiste Nasreddin Hodscha während des Fastenmonats Ramadan durch die Dörfer, um milde Gaben für die Armen einzusammeln und um eine Anstellung als Imam (Vorbeter in der Moschee) zu finden. Aber wo er auch hinkam, erhielt er weder Almosen noch eine Anstellung.

Als er schließlich das siebente Dorf erreichte, sah er, dass dort große Aufregung herrschte. Die Bewohner erzählten ihm, dass ein Fuchs in den letzten Monaten viele Hühner, Enten und Truthähne gestohlen hatte. Sie hatten den Fuchs gefangen und überlegten gerade, wie sie den Fuchs am besten zur Strecke bringen könnten. Schließlich baten sie den Hodscha um Rat.

“Lasst mich die Sache erledigen!”, beruhigte er sie. Die Dorfbewohner vertrauten auf die Zuversicht in seiner Stimme und seinen weißen Bart eines Gelehrten und überließen ihm das Schicksal des Fuchses.

Daraufhin zog der Hodscha seinen Mantel aus, legte seinen Turban ab und zog beides dem Fuchs an. Dann ließ er ihn weglaufen.

“Was hast du getan!”, riefen nun die Dorfbewohner aufgebracht. “Warum lässt du den Fuchs entkommen?”

“Macht euch keine Sorgen!”, erwiderte Nasreddin Hodscha. “Jeder, der ihn sieht, wird ihn für einen weisen und heiligen Mann halten, und deshalb wird er bestimmt nach einer Weile verhungert sein!”




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