Ein Kind wird geboren

Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder – überall auf der Welt, in jeder Kultur und jeder Religion. Ganz anders verhält es sich mit der jährlich wiederkehrenden Feier des Geburtstags: Einen so großen Stellenwert wie in der westlichen Welt hat er in anderen Ländern nicht. Der weltweit berühmteste Geburtstag ist vielleicht der von Jesus, denn Weihnachten, das Fest anlässlich seiner Geburt, hat längst über den eigentlichen Anlass hinaus ein Eigenleben entwickelt mit vielen Traditionen und Bräuchen – vom geschmückten Tannenbaum übers viele Gaben bringende Christkind bis zum omnipräsenten Weihnachtsmann.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Obwohl Muslimen in der Regel ein Geburtstag weniger wichtig ist, gilt doch der Geburtstag des Propheten Muhammad (a.s.) im Volksglauben als ein ganz besonderer Kandil-Abend, der in festlicher Stimmung begangen wird. Zwei Prophetengeburtstage also sind im Islam von Bedeutung, denn auch Jesus gilt Muslimen als wichtiger Prophet.

Aber welche Bräuche und Traditionen sind mit der Geburt eines Kindes in einer ganz alltäglichen Familie verbunden? Die Zahl der Antworten darauf ist unerschöpflich, gibt es doch sowohl regionale und lokale Gewpflogenheiten als auch Familientraditionen, ganz zu schweigen von städtischen und ländlichen Bräuchen. Sie alle darzustellen, reicht das ganze Internet kaum aus. Hier sind stellvertretend zwei Antworten aus einer deutschen und einer türkischen Familie.

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Beutetürken und Türkenbeute

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind älter, als viele es wahrhaben wollen. Bedingt durch historische Ereignisse entstanden die ersten Kontakte mehr oder weniger als Kriegsfolgen, doch ergaben sich daraus auch bemerkenswerte menschliche Verbindungen.  

Gegenstände, die in Europa aus Kriegen gegen osmanische Armeen erbeutet wurden, sind als Türkenbeute bekannt geworden. Neben typischen Waffen wie Dolchen und Krummsäbeln und anderen militärischen Ausrüstungsteilen waren dies auch kunsthandwerkliche Gegenstände und Prunkzelte. Teile dieser Türkenbeute werden noch heute in Ausstellungen gezeigt, vor allem in der so genannten Karlsruher Türkenbeute.

Nicht nur osmanische Gegenstände blieben infolge von Kriegen in Europa. Auch Menschen aus dem Osmanischen Reich fanden in Europa eine neue Heimat, wenn auch meist unfreiwllig. Kriegsgefangene wurden als lebende Beute versklavt und verschenkt oder verkauft. An Fürstenhöfen galt es im 17. Jahrhundert gewissermaßen als Statusmerkmal, im Hofstaat auch einen exotisch-orientalisch gekleideten jungen Mann vorzeigen zu können – lange bevor im 18. Jahrhundert die europäische  „Türkenmode“ oder „Turquerie“ einen ersten Höhepunkt erreichte mit ihrer Vorliebe für exotisch-orientalische Einrichtungsgegenstände, Stoffe und Speisen.

Hofmobiliendepot - Türkisches Zimmer von Kronprinz Rudolf

Zurück zu den Menschen und ihren Schicksalen: Kriegsgefangene, die infolge der Türkenkriege in Europa bleiben mussten, wurden als so genannte Beutetürken bekannt. Sie wurden in der Regel zwangsgetauft und zwangsassimiliert, mussten sich also wohl oder übel an ihre neuen Lebensumstände anpassen. Über die meisten dieser Menschen weiß man wenig, in Kirchenbüchern lassen sich einige Spuren dieser unfreiwilligen frühen Migranten ausmachen.

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