Das rituelle Schlachten/Schächten

Die rituelle Schlachtung im Islam, in Deutschland Schächten genannt, ist besonders bei Tierschützern umstritten, da dem lebenden Tier die Kehle durchschnitten wird, um es ausbluten zu lassen. Dass es mit Massentierhaltung und Schlachtung im Allgemeinen in Deutschland wenig tierfreundlich zugeht, ist hinlänglich bekannt. Auch die CO2-Betäubung vor der Schlachtung ist sehr umstritten. Die Unterstellung mancher Tierschützer, Muslime quälten Tiere, ist wenig differenziert.

Muslime möchten ihren religiösen Vorschriften ebenso Rechnung tragen, wie es zum Beispiel Juden längst eingeräumt wird. Die genauen Vorschriften für das Schlachten weisen bei den vier sunnitischen Rechtsschulen leichte Abweichungen auf. Für Hanbaliten, Malikiten und Schafiiten ist das Opfer sunna ain muakkada, d. h. empfehlenswert, nur für die Hanafiten ist es ausdrücklich wagib, d. h. Pflicht.

Der Rechtsschule der Hanafiten folgen die meisten türkischen Muslime. Nur bei den Hanafiten ist es ausdrückliche Voraussetzung, dass das Tier vor dem Schlachten lebendig ist. Bei den Schafiiten wird ausdrücklich gefordert, dass das Tier nicht gequält wird. Allen Rechtsschulen gemeinsam ist, dass das Tier unter Anrufung Allahs geopfert wird.
Siehe dazu auch Mohammed Rashed: Das Opferfest im heutigen Ägypten. Berlin 1998 (Diss. Mainz 1996)

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Aschura am 10. Muharram

Aschura, türk. Aşure, arab. ‘āšūrāʾ عاشوراء
10. Muharram (Muharrem)

Aschura

Nicht nur für die Schiiten, auch für die Sunniten in der islamischen Welt hat der 10. Muharram eine ganz andere Bedeutung: An diesem Tag im Jahr 680 (61 H.) wurde Husain, der zweite Enkel des Propheten Muhammad (as) getötet. Für die schiitische Welt ist dieser Tag ein Trauertag, der mit Wallfahrten nach Kerbela und Passionsspielen begangen wird. Gedacht wird nicht nur Husains, sondern auch seines älteren Bruders Hasan (gest. ca. 669), Söhne der Prophetentochter Fatima.
Mit Husain starb der letzte leibliche Enkel des Propheten, der dem Islam und besonders der Schia seither als Märtyrer gilt.

Türkische Miniatur - Before the battle near Kerbela
(Vor der Schlacht von Kerbela)

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Islam und Tierschutz

Die am häufigsten im Zusammenhang mit Allah gebrauchten Beinamen sind ar-Rahman und ar-Rahim, der Allerbarmer und der Allbarmherzige. Selbstverständlich schließt das Erbarmen des Schöpfers auch die Tiere ein.
So dürfen zum Beispiel die Pilger auf ihrem Hadsch nach Mekka überhaupt keine Tiere töten, nicht einmal noch so kleine lästige Insekten. In Mekka selbst, dem heiligen Ort der Muslime, darf kein Geschöpf geschlachtet werden.

Plate birds animals Met 91.1.127

Jeder Muslim sieht im Leben und Verhalten des Propheten Muhammad ein Beispiel, dem es zu folgen gilt. Aus den Biografien des Propheten Muhammad geht eine unverkennbare Liebe zu Tieren hervor. Der Prophet wandte sich zum Beispiel dagegen, dass Vögel als Ziele für Jäger verwendet oder Kamele misshandelt wurden.
Über die persönlichen Essgewohnheiten des Propheten wird berichtet, dass er einfache und fleischlose Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Brot, Butter, Nüsse und Datteln bevorzugte. Seine Lieblingsfrüchte waren Granatäpfel, Trauben, Feigen und natürlich Datteln.

Granatapfel (kandil.de 2013)

Eine Vorstellung vom bescheidenen Leben ohne Luxus in der Frühzeit des Islam vermittelt das Buch Muhammad. Sein Leben nach den frühesten Quellen von Martin Lings.

Ornament (Abstandshalter)

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