Was die Uhr zeigt

Der höchste Uhrturm der Welt, im Bild oben zu sehen, steht derzeit in Mekka. Einschließlich Spitze misst er 601 Meter und überragt damit die Masdschid al-Haram, die Heilige Moschee in Mekka mit der Kaaba, um Längen, wie unschwer auf dem Foto aus dem Jahr 2012 zu erkennen ist.

Uhrtürme haben eine lange Geschichte. Aus der Antike ist der Turm der Winde in Athen bekannt, der erstmals im 1. Jh. v. Ch. erwähnt wurde. Im 13. Jh. entstand der Grazer Uhrturm, zahlreiche weitere Uhrtürme in anderen europäischen Städten folgten.

Zu den architektonischen Spuren, die das Osmanische Reich auf dem Balkan hinterließ, gehören auch zahlreiche Uhrtürme. Auf Türkisch werden sie Saat Kulesi genannt, in den südslawischen Sprachen sind sie als Sahat Kula bekannt. Der älteste osmanische Uhrturm wurde 1610 in Prizren (Kosovo) errichtet. Noch heute zeugen in vielen Städten auf dem Balkan Uhrtürme von einem Kapitel türkischer Geschichte. 

Der hier zu sehende Uhrturm steht in Sarajevo:

Sahat kula (1)

Das ganz Besondere an ihm ist sein Ziffernblatt. Es zeigt nämlich, anders als die Uhr in Mekka, nicht die übliche Uhrzeit an. Die Uhr in Sarajevo ist eine Uhr für die Gebetszeiten mit arabischen Zahlen. Noch bemerkenswerter ist, dass das Uhrwerk tatsächlich für die islamischen Gebetszeiten ausgerichtet ist. Die Anzeige der Uhr beginnt um 0 Uhr mit dem Sonnenuntergang. Da die Länge der Tage im Laufe des Jahres variiert und sich die Gebetszeiten verschieben, ist das regelmäßige Einstellen der Uhr ein komplizierter Vorgang, der besonderer Sorgfalt bedarf. 

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Goethe, der Beutetürke?

Im Goethehaus in Frankfurt wurde Johann Wolfgang von Goethe am 28. August 1749 geboren* als Sohn einer angesehenen und alteingesessenen Frankfurter Familie. Ein Beutetürke, wie in der Überschrift reißerisch formuliert, war er also ebenso wenig wie ein Muslim. 

Und doch gibt es unter Goethes Vorfahren mütterlicherseits einen Ahnen türkisch-osmanischer, muslimischer Herkunft: Johann Soldan hieß vor seiner christlichen Taufe, die im Jahr 1305 in Brackenheim (Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg) vorgenommen wurde, auf Türkisch vermutlich Mehmet Sadık Selim Sultan. Überliefert in deutschen Quellen ist der Name als „Sadok Seli Soltan“. Johann Soldan jedenfalls starb 1328 und gilt als der erste urkundlich erfasste Deutsche türkischer Herkunft.

Dass Johann Soldan zu Goethes Vorfahren gehört, ist nicht lückenlos nachweisbar. Eine erhaltene Familienchronik aus dem 16. Jahrhundert unterstützt jedoch diese Theorie.

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Jusuf und Suleika

Jusuf (auch: Yusuf) und Suleika (auch: Sulayka, Süleyha) gehören zu den klassischen Liebespaaren der islamischen Kulturwelt. Im Koran wird in Sure 12 die Geschichte des Propheten Yusuf erzählt, die der des biblischen Josef sehr ähnlich ist. Die Erzählungen um Jusuf und Suleika ranken sich um die in Koran und Bibel erzählte Episode mit der Frau des Potihpar, eines Hofbeamten des ägyptischen Pharao. Nach der islamischen Version versuchte Suleika, Jusuf zu verführen, der aber die Annäherungsversuche aus Freundschaft zu Potiphar zurückwies. Eine ausführliche überlieferte Version der Erzählungen um Jusuf und Suleika lässt sich bei mythenpflege.de nachlesen.

Inesbesondere in der persischen Literatur wurde der Stoff um Jusuf und Suleika wiederholt aufgegriffen. Bereits der berühmte persische Dichter Abū ʾl-Qāsim Firdausi (940-1020) verfasste ein Gedicht über dieses berühmte Paar. Besonders bekannt ist die Version, die Nur ad-Din Abdur Rahman Dschami (1414-1492) in "Haft Aurang" (Sieben Throne) veröffentlichte. Sie diente sogar im Jahr 2015 als Vorlage für eine pakistanische Fernsehserie.

Yusef Zuleykha

In der Reihe der großen Schriftsteller, die den Stoff um das Liebespaar literarisch verarbeiteten, darf auch Johann Wolfgang von Goethe nicht fehlen. In Kapitel 9 seines West-östlichen Divan findet sich Suleika Nameh, das Buch Suleika. Es beginnt mit den Zeilen

Ich gedachte in der Nacht,
Daß ich den Mond sähe im Schlaf,
Als ich aber erwachte,
Ging unvermutet die Sonne auf.

Ihm ging es dabei weniger um die biblische oder koranische Überlieferung, sondern vielmehr um die Aufarbeitung seiner unglücklichen Liebe zu Marianne von Willemer.

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