Prophetenbiografien

Das Leben des Propheten Muhammad (as) beschäftigt die Menschen seit Jahrhunderten. Gläubige Muslime sehen in seinem Leben ein Vorbild, dem sie folgen möchten, „Ungläubige“ interessieren sich für seinen Lebensweg, weil er die Weltgeschichte beeinflusst hat.

النبى محمد المصطفى

Nicht erst historische Romane heutiger Zeit widmen sich dem Leben des Propheten, im Gegenteil. Die sogenannte Sira (as-sīra an-nabawīya – die Prophetenbiografie) ist eine eigene Literaturgattung in der islamischen Geschichtsschreibung. Zusammen mit den Hadithen, den Aussprüchen des Propheten, die zur Grundlage des islamischen Rechts gehören, haben sie eine bedeutsame Vorbildfunktion für das Verhalten gläubiger Muslime.

So entstand die erste Prophetenbiografie aus muslimischer Feder bereits Ende des 8. Jhs., also rund 150 Jahre nach Muhammads Tod. Zu den bekanntesten frühislamischen Prophetenbiografien zählen die Werke von Ibn Ishaq, Ibn Hisham und at-Tabari.

Bereits ab dem 7. Jh. früh beschäftigten sich auch Christen mit dem Leben des Begründers der neuen monotheistischen Religion – meist mit dem erklärten Ziel, den aus christlicher Sicht „falschen Propheten“ als Ketzer zu entlarven und zu diskreditieren. Eingehende wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den historischen Quellen zum Leben des Propheten gab es erst seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts.

Bereits in den Jahrhunderten zuvor erschienen in Europa zahlreiche Prophetenbiografien verschiedenster Autoren, die den Religionsbegründer meist wenigfreundlich gesinnt waren. Während der europäischen Aufklärung gab es aber auch Bestrebungen, ihn als Gesetzgeber und Begründer eines Weltreichs zumindest zu würdigen.

Nun hat der britische Autor und Journalist Tom Holland Buch veröffentlicht, das die Geschichte zur Zeit der Entstehung des Islams zum Thema hat. Dabei geht es nicht allein um das Leben des Propheten, sondern um einen Einblick in die Umwälzungen der damaligen Zeit. Die Ankündigung verspricht eine interessante geschichtliche Lektüre.

Mohammed, der Koran und die Entstehung des arabischen Weltreichs* von Tom Holland
Klett-Cotta 2017, 542 S., Taschenbuch Euro 14,95
ISBN 3608961461



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Jusuf und Suleika

Jusuf (auch: Yusuf) und Suleika (auch: Sulayka, Süleyha) gehören zu den klassischen Liebespaaren der islamischen Kulturwelt. Im Koran wird in Sure 12 die Geschichte des Propheten Yusuf erzählt, die der des biblischen Josef sehr ähnlich ist. Die Erzählungen um Jusuf und Suleika ranken sich um die in Koran und Bibel erzählte Episode mit der Frau des Potihpar, eines Hofbeamten des ägyptischen Pharao. Nach der islamischen Version versuchte Suleika, Jusuf zu verführen, der aber die Annäherungsversuche aus Freundschaft zu Potiphar zurückwies. Eine ausführliche überlieferte Version der Erzählungen um Jusuf und Suleika lässt sich bei mythenpflege.de nachlesen.

Inesbesondere in der persischen Literatur wurde der Stoff um Jusuf und Suleika wiederholt aufgegriffen. Bereits der berühmte persische Dichter Abū ʾl-Qāsim Firdausi (940-1020) verfasste ein Gedicht über dieses berühmte Paar. Besonders bekannt ist die Version, die Nur ad-Din Abdur Rahman Dschami (1414-1492) in "Haft Aurang" (Sieben Throne) veröffentlichte. Sie diente sogar im Jahr 2015 als Vorlage für eine pakistanische Fernsehserie.

Yusef Zuleykha

In der Reihe der großen Schriftsteller, die den Stoff um das Liebespaar literarisch verarbeiteten, darf auch Johann Wolfgang von Goethe nicht fehlen. In Kapitel 9 seines West-östlichen Divan findet sich Suleika Nameh, das Buch Suleika. Es beginnt mit den Zeilen

Ich gedachte in der Nacht,
Daß ich den Mond sähe im Schlaf,
Als ich aber erwachte,
Ging unvermutet die Sonne auf.

Ihm ging es dabei weniger um die biblische oder koranische Überlieferung, sondern vielmehr um die Aufarbeitung seiner unglücklichen Liebe zu Marianne von Willemer.

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Die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht

Tausendundeine Nacht – eine Wortkombination, die wie kaum eine andere Fantasien eines exotischen arabischen Orients entfacht. Kurios daran ist nur, dass die ersten arabischen Leser dieser Geschichten sie vermutlich als mindestens ebenso exotisch empfanden wie die Menschen später in Europa. Denn die Geschichten haben ihren Ursprung in einem mythischen indischen und persischen Kulturkreis, nicht im arabischen „Morgenland“.

Aber orientalistische Konzepte und ihre Wirkungen stehen nicht im Mittelpunkt dieses Beitrags, sondern das literarische Original: Tausendundeine Nacht heißt die berühmte Sammlung von Erzählungen, die zu den Klassikern der Weltliteratur gehört. Bekannt sind heute Geschichten wie Sindbad der Seefahrer, Aladin und die Wunderlampe und Ali Baba und die 40 Räuber vor allem in unzähligen Adaptionen für Kinder. Darüber darf nicht vergessen werden, dass sich die Originalerzählungen mit unter anderem vielen erotischen Elementen eindeutig an Erwachsene richteten.

More tales from the Arabian nights-14729827556

Allseits bekannt dürfte sein, dass Antoine Galland die erste Übersetzung in eine europäische Sprache zu verdanken ist. 1704 bis 1708 erschienen 12 Bände in französischer Sprache unter dem Titel „Les mille et une nuits: contes arabes“, die deutsche Übersetzung wurde erst in den 1820er Jahren erstmals in Buchform veröffentlicht. 1837 bis 1841 veröffentlichte der Orientalist Gustab Weil die erste Auswahl an Geschichten in direkter Übersetzung aus der arabischen in die deutsche Sprache. Die Abbildung unten zeigt Umschlag und Titelseite eines Nachdrucks dieser Ausgabe. 

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Eine deutsche Märchenerzählerin

Elsa Sophia von Kamphoevener (1878–1963) wurde bekannt als deutsche Erzählerin orientalischer und türkischer Märchen. Sie verbrachte sieben Jahre ihrer Kindheit in Istanbul, das damals noch Konstantinopel genannt wurde, und lebte ab ihrem 16. Lebensjahr zwölf Jahre lang in dieser Stadt. Ihr Vater gehörte als deutscher Offizier zu den Reorganisatoren der osmanischen Armee. Im Haushalt ihrer Eltern im damaligen Osmanischen reich wuchs sie mit verschiedenen Sprachen auf: Neben ihrer Muttersprache Deutsch gehörten unter anderem Türkisch, Griechisch und Armenisch zu vertrauten Klängen ihrer Umgebung.

Im Jahr 1906 verließ sie nach sechs Jahren Ehe mit einem deutschen Privatdozenten für Bergbau die Türkei für immer und lebte von da an nur in Deutschland. Ab 1916 veröffentlichte sie eigene Werke verschiedener Art, die sich mit dem osmanischen Orient befassten. Einer breiteren Bevölkerung bekannt als Märchenzählerin wurde sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl sie bereits Ende der 1920er Jahre in Radiosendungen Märchen erzählt hatte. Dazwischen liegen Jahre mit Veröffentlichungen, die von nationalsozialistischem Gedankengut geprägt sind.

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Die Ringparabel

Die Frage, welches denn nun die beste Religion sei, beschäftigt besonders Vertreter der drei monotheistischen Religionen seit Jahrhunderten.

Wer nicht spalten, sondern versöhnen will, greift gerne auf Lessings Ringparabel in seinem Stück „Nathan der Weise” zurück. Darin fragt Sultan Saladin, auch im Okzident als weiser und gerechter Herrscher gerühmt, den Juden Nathan nach der „wahren Religion”. Nathan erzählt ihm daraufhin die Ringparabel, die Sie

hier komplett nachlesen können und
hier in Zusammenfassung.

Lessing Nathan der Weise 1779

Das Motiv der Ringparabel taucht in Europa aber bereits einige Jahrhunderte vor Lessing auf. Am bekanntesten ist die Fassung von Boccaccio aus dem 14. Jahrhundert im „Decamerone”. Mitunter wird auch vermutet, dass es islamische Quellen für die Ringparabel gibt. Belege dafür sind mir nicht bekannt.

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