Exil in der Türkei: Haymatloz

Flucht und Vertreibung, das sind offenbar zeitlose Themen. Leider. Es scheint, als wollten wir Menschen nichts lernen aus der Geschichte. Vor einigen Jahrzehnten waren es Deutsche, die sich plötzlich gezwungen sahen, ihr Heimatland zu verlassen, weil sie um ihr Leben fürchten mussten. Heute suchen Menschen in Deutschland Zuflucht vor Gewalt und Vertreibung – was zu vielen Menschen unbegreiflich erscheint. Es kann nicht schaden, sich vor Augen zu führen, dass niemand vor diesem Schicksal gefeit ist. 

In der Zeit des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren suchten viele Exilanten Zuflucht in der Türkei. „Heimatlos“ waren sie laut dem Stempel, der den zwangsweise Ausgebürgerten in den Pass gedrückt wurde. Dieses Wort ging als „haymatloz“ in den türkischen Wortschatz ein. Viele Wissenschaftler fanden seinerzeit Aufnahme in der Türkei, viele von ihnen wirkten aktiv am Aufbau der damals noch jungen Republik mit, zum Beispiel als Juristen. Die Vertriebenen verließen Deutschland in der Regel nicht alleine, sondern zusammen mit ihren Familien. Und die Familien brachten ihre Sitten und Gebräuche aus Deutschland mit, beispielsweise bevorzugten viele eine Schulbildung in deutscher Sprache für ihre Kinder.

Der Dokumentarfilm „Haymatloz. Exil in der Türkei“, der jetzt in die deutschen Kinos kommt, widmet sich diesem wenig bekannten Kapitel europäischer Geschichte. Die deutsch-türkische Filmemacherin Eren Önsöz begleitet in dem Film fünf Kinder der damals ins Exil gegangenen deutsch-jüdischen Wissenschaftler bei der Spurensuche über ihr Leben in verschiedenen Welten.

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Was ist ein Pascha?

Eigentlich gibt es gar keine Paschas mehr. Der offizielle Titel wurde zuletzt in Ägypten 1953 abgeschafft, in der Türkei bereits 1934. Im Osmanischen Reich war Pascha der Titel eines hohen Würdenträgers. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden einem Pascha zwei oder drei Rossschweife als Zeichen für Amt und Würde vorangetragen.

Türkische Rosschweife im HGM

Sogar einige Deutsche wurden zum Pascha. Meissner Pascha zum Beispiel, mit bürgerlichem Namen Heinrich August Meißner (1862-1940), verbrachte die größte Zeit seines Lebens im Osmanischen Reich bzw. in der Türkei. Verdient machte er sich als Ingenieur um den Eisenbahnbau. Er leitete u. a. Planung und Bau der berühmten Hedschasbahn, die von Damaskus nach Medina führte. 1904 wurde ihm der Titel Pascha verliehen.

Für die Herkunft des Worts Pascha, türk. paşa, gibt es zwei Erklärungen. Pascha könnte entstanden sein aus türk. başağa (zusammengesetzt aus baş für Kopf, Haupt- und ağa für Herr). Der zweiten Erklärung nach liegt der Ursprung in mittelpers. pati für Herr und šāh für Herrscher, gebildet ähnlich wie Padişah, der Bezeichnung für den Sultans des Osmanischen Reichs.

Kibleli Mustafa paša

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Eingewandert aus der arabischen Sprache

Gar nicht oft genug kann man daran erinnern, wie viele Wörter aus der arabischen Sprache in die deutsche Sprache übergegangen sind. Manche Wörter sind schon so lange eingedeutscht, dass ihr arabischer Ursprung nicht mehr erkennbar ist oder vergessen wurde. Einzelne Wörter stellen wir in unregelmäßiger Reihenfolge in der Rubrik Wortschätze unseres Magazins vor. Natürlich gibt es auch Listen und Übersichten über die deutschen Wörter mit arabischem Ursprung. 

Bei Wikipedia sind zum Beispiel viele Wörter gelistet, darunter zum Beispiel Artischocke, Makramee, Tarif. Die vollständige finden Sie unter diesem Link: Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen.

In Buchform erläutert zum Beispiel Andreas Unger in dem Reclam-Taschenbuch Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen deutsche Wörter arabischer Herkunft. Natürlich sind im Laufe der Jahrhunderte nicht nur Begriffe wie Minarett, Koran und Falafel in die deutsche Sprache eingegangen. Außerdem ist mit jedem einzelnen Wort ein eigenes Stück Kulturgeschichte verbunden, die ebenfalls im Buch dargestellt wird.

Arabische Wörter gehören also sehr wohl zu Europa. Dass Zucker zum Beispiel im Moment im Westen nicht besonders gerne gesehen wird, liegt weniger an seinen arabischen Wurzeln, sondern an heutigen Ernährungsgewohnheiten und ihren negativen Seiten. Wörter wandern, Menschen und Ideen auch. 

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Die Poesie der Liebe

Minnesänger, Troubadoure, höfische Liebe – das sind Begriffe, die wir mit mittelalterlicher europäischer Liebesdichtung verbinden. Weniger bekannt sind die Querverbindungen der hohen Kunst der Liebe zur arabischen Literatur und Kultur jener Zeit, wobei die Liebe meist als Verehrung einer vornehmen Dame zu verstehen ist. 

Als Troubadour zum Beispiel bezeichnete man Dichter und Vortragende von Liedern an mittelalterlichen Fürstenhöfen. Einigen Deutungen zufolge könnte das Wort zusammenhängen mit dem arabischen Wort ṭaraba (طرب), das so viel bedeutet wie singen. Auch wenn diese Herleitung des Worts Troubadour umstritten ist, so steht fest, dass das Musikinstrument Laute seinen Ursprung im arabischen Wort al-ʿūd (العود) hat, das so viel bedeutet wie Holz, was sich auf den oft hölzernen Korpus des Saiteninstruments bezieht.

Troubadours berlin

Mag es in der arabischen Welt der mittelalterlichen Fürstenhöfe auch keine Minnesänger gegeben haben, so lassen sich doch arabische Einflüsse auf die europäische Minnekunst nachweisen. Sie gelangten über das maurisch-andalusische Spanien nach Südfrankreich verbreiteten sich von den provenzalischen Höfen ins übrige Europa weiter. Denn Liebe ist nicht nur romantisch und oft schmerzlich, sie ist vor allem zeitlos und allen Menschen und Kulturen zu eigen. Lassen wir Ibn Hazm al-Andalusi zu Wort kommen, den berühmten arabischen Gelehrten, der von 993 bis 1064 in Cordoba lebte und nicht nur Religionshistoriker und Wesir des Kalifen von Cordoba war, sondern auch als Verfasser von Liebesdichtung („Das Halsband der Taube über die Liebe und die Liebenden“) im Gedächtnis blieb:

„Die Liebe ist eine unheilbare Krankheit. Aber wer von ihr befallen ist, verlangt nicht nach Genesung, und wer daran leidet, will nicht gesunden.“ (Quelle)

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