Krimtatarisch beim ESC

Seit 1956 wird jährlich der Eurovision Song Contest (ESC) durchgeführt, bis 2001 als besser bekannt unter dem Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson. Mit etwas gutem Willen könnte man das TV-Spektakel vielleicht als Prototyp eines interkulturellen Musikevents auffassen – mit allen Höhen und Tiefen und Kontroversen. 

Über viele Jahre hinweg gehörte zu den Besonderheiten der Veranstaltung, dass die Songs in der Landessprache des Interpreten vorgetragen werden mussten. Diese Regelung gilt seit 1999 nicht mehr, seither überwiegen englische Texte. 

Siegerin des ESC 2016 in Stockholm wurde Jamala, die für die Ukraine antrat. Bemerkenswert an ihrem Lied ist nicht nur der für diese Veranstaltung ungewöhnlich kritische Inhalt (der Titel 1944 spielt auf das Jahr an, in dem die Krimtataren, und mit ihnen auch auch Jamalas Urgroßeltern, nach Zentralasien deportiert wurden), sondern auch wegen der Sprache: Jamala singt den Refrain des ansonsten englischen Liedes auf Krimtatarisch, der Sprache ihrer Vorfahren. Überhaupt entstammt Jamala einer typisch interkulturellen Familie: muslimisch-krimtatarischer Abstammung väterlicherseits, christlich-armenischer Abstammung mütterlicherseits. Sie selbst wuchs in Kirgisistan und auf der Krim auf.




Dein Kommentar