Nachgefragt bei Iren Blanco

Nachgefragt bei Iren Blanco

Iren Blanco ist im Jahr 1978 in Kuba geboren und dort aufgewachsen. Sie hat in Havanna Architektur studiert und danach als Architektin bei Sanierungsprojekten für den alten Stadtteil von Havanna gearbeitet. Mit 27 Jahren kam sie nach Deutschland und hat in Darmstadt ihr Master-Diplom absolviert, gleichzeitig als Architektin gearbeitet und Deutsch gelernt. Sie lebt mit ihrem Man und zwei Kindern in Singapur und lernt im Moment Türkisch.

Trinkst du lieber Kaffee oder lieber Tee zum Frühstück – oder ganz was anderes?

Morgens muss ich unbedingt Kaffe trinken, sonst bin ich nicht wach. Es ist für mich wie ein Ritual, bei dem bin ich am liebsten gerne alleine bin und meinen Kaffee genießen möchte. Deswegen stehe ich immer früh auf. Danach kann ich meinen Tag mit voller Energie anfangen.

Ich bin flexibel bei den Kaffee-Arten und probiere immer wieder neue Sorten. Außerdem trinke ich zum Frühstück auch gerne Gemüse- oder Obst-Smoothies. Meine Lieblingsmischung besteht aus Apfel, Sellerie und Karotten, manchmal kommt auch Ingwer dazu.

In welcher Sprache träumst du, in welcher sprichst du?

Am häufigsten träume ich in Spanisch, weil Spanisch meine Muttersprache ist. Aber es kommt auch vor, dass ich in meinem Traum Deutsch oder Englisch spreche.

Wenn ich etwas planen möchte, dann denke oder schreibe ich meistens auf Deutsch, z. B. wenn ich meine Einkaufsliste mache oder Reiseplanung vorbereite.

Wir sind eine multikulturelle Familie mit mehreren Sprachen. Ich komme aus Lateinamerika, mein Mann kommt ursprünglich aus der Türkei und lebte viele Jahre in Deutschland. Derzeit leben wir zwischen Deutschland und Singapur mit unseren zwei kleinen Kindern. Zu Hause ist Deutsch unsere gemeinsame Sprache, außerdem bringe ich den Kindern Spanisch als Muttersprache bei. Mein Mann spricht meistens Türkisch und Deutsch mit unseren Kindern.

In Singapur wird Englisch als gemeinsame Arbeits- und Schulsprache offiziell gesprochen, dazu sind auch noch Mandarin, Malaysisch und Tamil offizielle Sprachen. Zum Beispiel werden in öffentlichen Verkehrsmitteln und in den Schulen wichtige Informationen in diesen vier Sprache mitgeteilt. Daher sind mehrsprachige Tage für unsere Familie zur Gewohnheit geworden. Wir sind begeistert, dass unsere Kleinen dabei viele verschiedene Sprachen, Religionen und Nationalitäten kennen lernen.

Wo fühlst du dich „daheim“?

Ich bin seit 11 Jahren außerhalb Havanna und habe viele Länder bereist und in einigen anderen Ländern gelebt. Für mich gibt es zwei wichtige Kriterien – Menschen beziehungsweise Kultur und die Natur –, damit ich mich wohlfühlen kann.

Es gibt drei Städte, die mich am meisten beeinflusst haben: meine Heimatstadt Havanna, Darmstadt und Singapur.

Ich bin in Havanna geboren und gewachsen. Dort liebe ich das Meer und die Wärme der Menschen. In Havanna fühlt man sich nie alleine. Das Leben auf der Straße ist sehr lebhaft, die farbigen Häuser und die konstante Musik im Hintergrund macht Havanna zu einer sehr lebendigen Stadt – laut und bunt.

Von Havanna bin ich nach Darmstadt umgezogen, um an der TU Darmstadt zu studieren. In kurzer Zeit ist Darmstadt meine zweite Heimatstadt geworden. Darmstadt ist eine kleine Stadt mit sehr interessanter Jugendstil- und „Avant Garde“-Architektur aus dem 20. Jahrhundert. Die Stadt ist auch multikulturell. Dort habe ich zuerst etwas über deutsche Kultur und Traditionen erfahren. Die warmherzigen Menschen, die ich in Darmstadt kennengelernt habe, haben mir das Gefühl gegeben, dass ich mich auch dort daheim fühlte.

Nachdem ich geheiratet habe, bin ich mit meinem Mann nach Singapur umgezogen. Der Stadtstaat Singapur ist modern, sehr sauber und sehr gut geplant. Meine Kinder sind in Singapur zur Welt gekommen. Sie kennen Singapur als Heimatstadt. Deswegen ist Singapur auch eine wichtige Stadt für unsere Familie geworden.

Welches Fest ist dir am wichtigsten, was gehört für dich dazu?

Singapur ist ein besonderer Ort Stadt, wo Menschen mit unterschiedlichen Religionen miteinander gemeinsam in Frieden und Harmonie leben. Die verschiedenen Traditionen und religiösen Festtage werden in den Schulen gelehrt und mit Kindern und Eltern zusammen gefeiert. Beim Ramadanfest, hinduistischem Fest „Deepavali“, chinesischem Neujahr oder an Weihnachten werden die Stadtteile und Gebäude mit bunten Beleuchtungen, Luftballons und Blumen dekoriert. Wir feiern gerne unterschiedliche Feste mit unseren Freunden und Nachbarn zusammen. Wir genießen das Ramadanfest, wo wir Familienmitglieder und Bekanten besuchen und ihnen viel Glück wünschen.

Unsere beide Kinder sind in der chinesischen Neujahrszeit zur Welt gekommen, deswegen hat diese Jahreszeit für unsere Familie große Bedeutung. Wie fühlen uns glücklich und feiern gerne das chinesisches Neujahrfest. Es beginnt an dem Tag des ersten Neumonds und wird zwischen 21. Januar und 21. Februar gefeiert. Im Chineschen Kalender wird jedes Jahr mit einem Tierzeichen dargestellt und es gibt zwölf Tierzeichen. Zum Beispiel ist dieses Jahr das Jahr des Affen.

Aus Tradition schenkt man Orangenbäume oder Mandarinen als Symbol für Wohlstandswünsche oder auch Geldumschläge, Nüsse und Mondkuchen werden zwischen Familienmitgliedern und Geschäftsleuten ausgetauscht. Dann backe ich gerne Mondkuchen, die ich unseren Nachbarn und Bekannten schenke.

Wo würdest du am liebsten leben und weshalb?

Als ich das erste Mal vor 16 Jahren nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich in Deutschland sehr wohlgefühlt. Es war meine erste Auslandsreise und sie hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Ich genieße die vier Jahreszeiten und das Leben in Verbindung mit der Natur liebe ich sehr. Daher fühle ich mich in Deutschland wohl.

Aber nachdem ich Mutter geworden bin, denke ich auch, dass das Zuhause da ist, wo Kinder und Familie glücklich sind. Heute reisen die Menschen viel und es gibt für alle verschiedene Wege. Perfekte Orte gibt es nicht. So kann ich mich auch irgendwo daheim fühlen, wenn meine Familie bei mir ist. Vielleicht gibt es andere Orte, wo ich mich auch wohlfühlen könnte.




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