Nachgefragt bei Katja Tongucer

Nachgefragt bei Katja Tongucer

Katja Tongucer

Katja Tongucer (erfolgskomplizin.de) ist Jahrgang 1971, geboren und aufgewachsen im Saarland. Mit ihren beiden Töchtern und ihrem türkischen Mann lebt sie derzeit noch in Istanbul. Davor haben sie einige Jahre in Moskau gelebt: „Da ich es leid bin, durch die vielen Ortswechsel alle paar Jahre wieder neu anzufangen, habe ich im letzten Jahr ein ortsunabhängiges Business gestartet – ein sogenanntes Laptop-Business. Ich bin Erfolg

skomplizin – d. h., ich unterstütze und begleite Menschen dabei, ein Projekt zum Ende zu bringen und durchzuhalten, damit der innere Schweinehund nicht die Oberhand behält. Alles online. Eine fantastische Möglichkeit, für die ich sehr dankbar bin.“ 
Trinkst du lieber Kaffee oder lieber Tee zum Frühstück – oder ganz was anderes?
Ich bin abhängig von Kaffee. Das ist eine meiner größten Schwächen. Ich mag türkischen Tee auch sehr gerne – und wer ein türkisches Frühstück in all seinen Varianten schon einmal genossen hat, der weiß, dass dazu Tee viel besser passt. Leider vertrage ich den Tee nicht. Er macht mich müde und schlapp. Deshalb bin ich froh, dass es inzwischen auch in Istanbul überall recht guten Kaffee gibt.

Kaffee oder Tee?

Neuerdings bereite ich mir morgens manchmal einen grünen Smoothie zu. Sehr empfehlenswert. Auf den Kaffee verzichte ich aber dennoch nicht.
In welcher Sprache träumst du, in welcher sprichst du?
Ich träume in Deutsch. Sehr selten spreche ich im Traum eine andere Sprache. Im Alltag spreche ich ein wenig Türkisch (ich versuche es) und viel Englisch. Zu Hause sprechen wir Deutsch. Meine Muttersprache ist aber der wunderbare saarländische Dialekt und es fühlt sich immer wieder gut an, wenn ich meine Familie besuche und so sprechen kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Wo fühlst du dich „daheim“?
Ich kann mich an vielen Orten zu Hause fühlen, bin aber nur an einem Ort daheim. Ich brauche meine Kinder und meinen Mann um mich herum, eine gemütliche Wohnung, ein sicheres Gefühl. Das ist mein Zuhause. Und ich bin gerne zu Hause. Aber durch meine vielen Auslandsaufenthalte ist mir erst bewusst geworden, dass ich mich in meiner Heimat, wo ich aufgewachsen bin, am wohlsten fühle. Hier kann ich mich frei bewegen, habe keine Sprachprobleme, kenne die Gepflogenheiten, habe ein gewachsenes, stabiles Netzwerk an Freunden und Familie. Ich leide nicht wirklich unter schlimmem Heimweh. Aber jedes Mal, wenn ich „daheim“ bin, erscheint mir vieles leichter.

Welches Fest ist dir am wichtigsten, was gehört für dich dazu?
Wir sind Atheisten. Religiöse Feste spielen für uns keine große Rolle – zumindest nicht im religösen Sinne. Sie sind dennoch wichtig für uns, da es meistens bedeutet, Zeit mit der Familie zu verbringen. Und darum geht es doch. Sich Zeit nehmen füreinander und diese gemeinsamen Stunden zu genießen. Die Verbindungen zu stärken. Sich einander nahe fühlen. Dazu brauche ich keinen religiösen Anlass, aber der Jahresverlauf ist nun einmal durch diese Feste bestimmt. Wir feiern Opferfest und Ramadanfest mit der türkischen Familie und sind Weihnachten immer in Deutschland bei der deutschen Familie. Wir halten den Geschenkezirkus klein und ich dekoriere seit einigen Jahren auch nicht mehr. Aber die Weihnachtsbäckerei darf gerne sein, das ist eine schöne Tradition. Aber es ist auch keine Katastrophe, wenn es zeitlich einmal nicht klappt.
Ich versuche wirklich, mich ganz auf die Zeit mit den Menschen, die mir lieb sind, zu konzentrieren, und nicht auf das Brimborium drumherum.

Wo würdest du am liebsten leben und weshalb?
Im Moment freue ich mich darauf, im Sommer wieder in meine Heimat zurückzuziehen. Nach 11 Jahren tue ich das, was man von Saarländern „im Exil“ gemeinhin erwartet. Ich komme zurück. :)
Dennoch bleibt Istanbul ein zweiter Wohnsitz, an dem wir nach wie vor viel Zeit verbringen werden und auch wollen. In der Zukunft, wenn die Kinder mit der Schule fertig sind, möchte ich gerne ortsunabhängiger sein und viele Städte bereisen. Ich stelle es mir schön vor, ein paar Wochen an einem Ort und einige Wochen an einem anderen zu sein. Ich möchte mir Zeit nehmen, einen Ort zu erkunden und nicht nur im Vorbeifahren anzusehen.



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