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Nachgefragt bei Katrin Zinoun

Katrin Zinoun (www.zinoun.de) lebt in Leipzig. Sie ist freie Autorin und Dozentin. Sie beschäftigt sich mit Lehr- und Lernprozessen und mit interkultureller und politischer Bildung. Sie ist für Global Voices Deutsch als ehrenamtliche Redakteurin tätig.


Trinkst du lieber Kaffee oder lieber Tee zum Frühstück – oder ganz was anderes?

Kaffee – mit sehr viel Zucker, denn in Sachsen wie auch in Marokko gilt: „Süße muss der Coffee sein.“

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Ausstellungsplakat von 1994, © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, PL 94/24

In welcher Sprache träumst du, in welcher sprichst du?

Ich nehme an, ich träume in Deutsch, was meine Muttersprache ist. Aber ganz sicher bin da nicht, da ich mich sehr selten an Träume erinnere. Nachdem ich als Teenager ein Jahr in den USA war, spreche ich Englisch. Ich erwische mich manchmal dabei, englisch zu denken.Oft entsteht dabei in meinem Kopf eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Da ich in einer internationalen Gemeinschaft aktiv bin, nutze ich Englisch täglich, so dass mir beide Sprachen sehr wichtig sind.

Wo fühlst du dich „daheim“?

Das ist eine schwere Frage! Ich fühle mich bei uns zuhause daheim. Den Begriff „daheim“ verbinde ich auch mit meinem Elternhaus, wo ich aufgewachsen bin. Allerdings weniger mit dem Ort, in dem es sich befindet. Ich kann mich auch ziemlich schnell an „fremden“ Orten daheim fühlen, wenn dort Menschen sind, die mir das Gefühl geben „daheim“ zu sein.

Welches Fest ist dir am wichtigsten, was gehört für dich dazu?

Weihnachten ist für mich sehr wichtig. Für mich gehört vor allem ganz viel Familienzeit dazu. Aber auch die erzgebirgische Weihnachtsdekoration und traditionelles Weihnachtsessen darf nicht fehlen. Bei uns in Sachsen heißt das: Christstollen, Kartoffelsalat und Weihnachtsgans. Ich versuche es einfach zu halten und mich nicht vom Konsumrausch anstecken zu lassen. Ich lese den Kindern gern „Die Weihnachtsgans Auguste“ vor und gehe mit ihnen auf den Weihnachtsmarkt, nur damit sie mit dem tollen alten Karussell fahren können.

Unsere Familie feiert aber auch Opferfest und Ramadan, wobei diese Feste nicht so exzessiv zelebriert werden wie Weihnachten. Es geht eher etwas ruhiger zu. Aber viel gegessen wird dann auch. Es gibt oft die marokkanische Harira im Ramadan und natürlich Lamm zum Opferfest.

Wo würdest du am liebsten leben und weshalb?

Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, wo ich gern leben würde, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Wir haben es eigentlich ganz gut hier. Klar gibt es immer Dinge, die einen stören, aber das wäre an keinem Ort der Welt anders.

Ich bin sehr gern in Marokko, da der größte Teil meine Schwiegerfamilie dort lebt. Es ist ein wunderbares Land, aber es gibt eben auch dort viele Dinge, die nicht gut laufen.

Man müsste sich einen Ort bauen können, an dem alles genauso ist, wie man es sich wünscht. Aber Fantasyland gibt es nicht. Wir müssen mit dem zurechtkommen, was wir vorfinden, und wenn es uns nicht gefällt, können wir versuchen, es besser zu machen.




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