Nachgefragt

Nachgefragt bei Zamyat M. Klein

Zamyat M. Klein (www.zamyat-natur-seminare.de) lebt in Lohmar (zwischen Köln und Bonn) in einem kleinen 13-Häuser Dorf im Bergischen Land. Sie ist seit 1980 Trainerin, Coach und Autorin zu den Themen Train-the-Trainer, Kreativitätstechniken und Online-Seminare. Seit ihrer Kindheit hat sie (wohl durch Bücher) eine Liebe zum Orient entdeckt und war 10-mal in der Sahara und ist nun regelmäßig viele Wochen im Jahr in der Türkei. 

Das sagt sie selbst über ihre Arbeit:

„Ich mache inzwischen weniger Präsenzseminare und mehr Online-Seminare. Präsenzseminare sind hauptsächlich in Unternehmen mit dem Thema „Kreativitätstechniken“ und Train-the-Trainer. In meiner OAZE – Online-Akademie biete ich Online-Trainer-Ausbildungen an und ermögliche auch anderen Online-Trainern, dort ihre Seminare anzubieten. Immer mehr mache ich auch Online- oder Telefon-Coaching. 
Das alles kann ich von zu Hause aus machen oder sogar von der Türkei aus und das finde ich einfach großartig. Das Internet hat mir ganz neue Möglichkeiten eröffnet, die ich gerade im Alter sehr schätze und genieße.“

Trinkst du lieber Kaffee oder lieber Tee zum Frühstück – oder ganz was anderes?

Ich trinke jeden Morgen eine Kanne Earl Grey mit Honig, danach bin ich ganz süchtig :-). In der Türkei trinke ich auch gerne den türkischen Tee. Neuerdings trinke ich auch hin und wieder Kaffee, meist eine Tasse nach dem Mittagessen.

In welcher Sprache träumst du, in welcher sprichst du?

Ich träume sicher in deutscher Sprache und spreche hauptsächlich Deutsch. Englisch kann ich nicht besonders gut, da die Schule für mich ein Albtraum war. Später habe ich dann etwas Türkisch gelernt (in meinem ersten Job und später in der Türkei). Als ich dann 10-mal mit Beduinen und Kamelen in der Sahara war (und dort Meditationsgruppen leitete), habe ich auch etwas Arabisch gelernt.

Wo fühlst du dich „daheim“?

Ich habe nun wohl zwei Heimaten.

Ich bin gebürtige Kölnerin und das ist auch meine Heimatstadt, zu der ich auch eine starke emotionale Beziehung habe. Dennoch lebe ich seit Jahrzehnten auf dem Land 35 km von Köln entfernt, aktuell in einem kleinen 13-Häuser-Dorf, da ich die Natur und auch den Weitblick aus jedem meiner Fenster liebe.
Das heißt, die eine Heimat ist Köln und das Bergische Land.

Meine zweite Heimat ist ein Dorf in der Türkei, das ich 2007 entdeckt habe. Çıralı liegt direkt am Meer und ist Naturschutzgebiet. Das bedeutet, dass die Häuser nicht höher als die Bäume gebaut werden dürfen. Somit gibt es keine großen Hotels und keinen Massentourismus. Es ist die totale Idylle und es ist auch ein Ort, in dem man nicht (wie in den Touristenorten) ständig angequatscht oder angebaggert wird oder jemand was verkaufen will. Nichts. Ich fühle mich dort total sicher und wohl – und inzwischen kenne ich natürlich auch viele Leute dort und die Menschen kennen mich. 

Nach einigem Rumprobieren habe ich nun auch „mein“ Hotel entdeckt, mit 20 Zimmern, einem wunderschönen ruhigen Garten, in dem man immer eine ruhige Ecke findet auf einer Liege, in der Hängematte oder auf einem Köşk. Es wird geführt von Ahmet, dem ehemaligen Dorfschullehrer, und seiner Frau Münevver, die sehr sehr freundlich und gleichzeitig sehr zurückhaltend sind.

Ich habe dort mein „Stammzimmer“, obere Etage an der Ecke. Denn dort habe ich zwei Fenster, was das Zimmer heller macht, und ich kann als einzige einen Tisch auf dem Balkon haben, weil dort dann niemand mehr vorbeigehen muss. Das Zimmer reserviere ich dann immer schon langfristig.

Im Laufe der Jahre hat sich dort viel Krempel angesammelt, ich glaube, inzwischen habe ich 5 Taschen dort in einem Schuppen deponiert. So muss ich nicht jedes Mal dicke Badetücher etc. mitschleppen. Da sind Yogamatte, Walkingstöcke, Badetücher, Schuhe und Klamotten, aber auch ein Mixer für meine grünen Smoothies.

Denn inzwischen bin ich dort 6 Wochen im Frühjahr und 6 Wochen im Herbst, also insgesamt 3 Monate.
Frühjahr und Herbst ist die schönste Zeit, nicht zu heiß, aber warm. Im Sommer ist es mir zu heiß und da ist es auch in Deutschland ja oft schön und warm.

Falls sich jemand fragt, wie ich mir 3 Monate „Urlaub“ leisten kann:

Ich mache in der Türkei nicht nur Urlaub, sondern biete dort auch Seminare und Coaching an. Früher hatten die Seminare alle den Titel: „Orient-Express zur beruflichen Erfüllung“, jetzt habe ich sie etwas spezifiziert in „Kreative Lebensplanung für Ü50/ Ü60“, „Mein Leben leben“ und „Kreativ-Urlaub mit Yoga“, siehe: www.zamyat-natur-seminare.de.

Im Grunde geht es bei allen Seminaren darum, mit Hilfe von Kreativitätstechniken sein Leben zu planen, große Projekte, berufliche Umorientierung, die nächste Lebensphase. Zu den Kreativitätstechniken kommen noch viele andere Methoden hinzu und vor allem regelmäßige Wanderungen, denn die machen den Kopf frei. Das ganze Seminar findet nur draußen statt, im Garten unter Palmen oder am Strand – das allein bewirkt schon ein Durchlüften des Gehirns.

Die räumliche Distanz zum Alltag hilft enorm, das große Ganze zu sehen, Abstand zu bekommen und sich nicht so in Details zu verfransen.

Ich habe oft Jahre später von Teilnehmern gehört, dass sich danach ihr Leben wirklich sehr verändert hat und viele der Pläne umgesetzt wurden – oder sogar noch mehr. 

Daher macht es mir total Freude, dort in solch einer entspannten Atmosphäre in der Natur zu arbeiten und Menschen auf ihrem Lebensweg zu unterstützen. Ich selbst habe so auch letztendlich meinen Burn-out kuriert, durch viel wandern und in der Natur sein und vor allem, indem ich lernte, meinen Rhythmus zu leben. Das gelingt mir dort leichter als in Deutschland, aber ich lerne immer mehr, vieles davon auch hierhin zu transportieren und meinen Tagesablauf ähnlich zu gestalten.

Welches Fest ist dir am wichtigsten, was gehört für dich dazu?

Da fällt mir gar keins ein. Mit Weihnachten habe ich nichts am Hut. Ich bin mit 21 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil ich damals links politisch aktiv war. Und der ganze Weihnachtsrummel geht mir nur auf den Keks, zum Glück bekomme ich in meinem Dörflein da nicht viel mit. Ich bin auch niemand, der bei jeder Jahreszeit und zu jedem Anlass die Wohnung oder Fenster umdekoriert. Da gibt es für mich Wichtigeres und Schöneres, womit ich meine Zeit verbringen will.

Das einzige ist, dass mir meine Geburtstage doch auch irgendwie wichtig sind. Ich mache da zwar keine riesigen Feste mehr und Räume mieten fand ich trotz wildem Dekorieren und Vorbereiten doch nie wirklich so schön. Daher feiere ich das nun im kleinen Rahmen von Freunden, bei mir oder wir gehen einfach lecker bei einem Türken essen.

Ostern ist ja auch ein christliches Fest, aber wenigstens ist es im Frühling. Da habe ich vor einigen Jahren mal angeregt, dass wir Ostereier im Garten einer Freundin suchen (wir waren alle schon über 60 :-)), das hat mir Spaß gemacht. Oder ein anderes Mal haben wir Eier bemalt. Das ist für mich aber das gleiche, wie wenn ich in der Türkei die runden glatten Steine bemale und dann aussetze, damit sie jemand findet und sich freut. Ich mache einfach gerne Sachen bunt, ob Eier, Steine oder Papier, meine Zimmerwände oder Kleider.

Wo würdest du am liebsten leben und weshalb?

Ich finde diese Mischung aktuell schon ziemlich perfekt. Ich suche eigentlich nur noch was für den Winter. Da ist es in der Türkei auch zu kalt und meine Versuche, im Dezember und Januar nach Tunesien zu fahren, waren nicht so toll. Da gab es nur diese großen All-inclusive-Hotels, wo dann auch noch grässliche Weihnachts- und Silvesterfeiern stattfanden, das ist also keine Alternative. Da ich aber den Orient liebe und nicht so weit fliegen möchte, habe ich sonst noch nichts gefunden.

Also einige Zeit in der Türkei und einige Zeit in Deutschland – das finde ich im Moment ganz prima und kann da meine beiden Seiten ausleben, die ich wohl in mir habe. Ich habe sicher viele typische deutsche Anteile: plane und organisiere, bin strukturiert und arbeite viel etc. Und genieße es dann in der Türkei, mal etwas gelassener Dinge sich entwickeln zu lassen, akzeptieren zu lernen, dass man mit Türken nicht planen kann (Verabredungen etc.) – was mir aber noch immer irre schwer fällt :-).

Vieles finde ich dort unkomplizierter, leichter Kontakt herzustellen, herzliche Begegnungen, egal ob mit Türken oder Deutschen. Aber im „Urlaub“ sind die Menschen meist auch anders als zu Hause im Alltag.

Vor allem aber ist es das „immer draußen sein können“. Morgens zum Sonnenaufgang Yoga am Strand ist eben anders als Yoga im Wohnzimmer. Das Frühstück im Garten, das Lesen und Arbeiten am Strand oder im Garten, die vielen Wanderungen durch eine unglaublich schöne Natur – das tut einfach meinem Körper und meiner Seele gut.




Dein Kommentar