Supermuslim(a) gesucht

Supermuslim(a) gesucht

Das letzte Drittel des Ramadans hat begonnen. Das bedeutet für einige Muslime, dass sie noch feststecken in der DSDSM-Falle. DSDS kennen Sie, das ist eine dieser Castingshows im Privatfernsehen. Und DSDSM? Das steht natürlich für „Deutschland sucht den Super-Muslim“ und läuft nicht im TV, sondern live in jeder muslimischen Familie und in jeder Community, die irgendwas auf den Islam hält.

Religiöses Fasten, das ist eigentlich eine wichtige spirituelle Erfahrung, eine reinigende Rückbesinnung auf das Wesentliche, eine innere Einkehr. So weit die Theorie.

Nicht bei DSDSM: Da findet man die Wichtigtuer, die sich mit ihrem Fasten brüsten. Diejenigen, die verächtlich auf alle herabblicken, die nicht fasten oder nicht lange genug fasten oder, in den Augen der Besserwisser, „falsch“ fasten, weil sie etwa eine andere Berechnung der exakten Zeiten heranziehen oder sich gar anmaßen, nicht den langen europäischen Fastenzeiten folgen zu wollen, sondern den kürzeren auf der Arabischen Halbinsel.

Ach, Gründe, auf andere hinabzublicken, kann man sich viele konstruieren. Und es ist ja auch so einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wie heißt es schon so weise in der Bibel: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ Für Schwestern gilt das übrigens auch.

Aber, liebe DSDSM-Freunde, religiöses Fasten ist kein Wettkampf mit anderen und schon gar nichts, was man als Anlass nehmen darf, um über andere Menschen urteilen zu dürfen. Fasten ist etwas, was man zwischen sich und dem Gott ausmacht, an den man glaubt. Es taugt nicht als Bewertungsmaßstab für moralisches Verhalten. Ich wünsche mir, dass sich mehr DSDSM-Anhänger auf den eigentlichen Sinn des Fastens besinnen und positive Energie daraus ziehen, die uns allen zugutekommen möge für eine hoffnungsvollere Zukunft.




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