Zwei Herzen in meiner Brust

Zwei Herzen in meiner Brust

Leute gibt's, man glaubt es kaum. Seht mich an und hört mir zu:

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.“

Das Zitat entstammt natürlich nicht meiner Feder, verfasst wurde es von einem nicht Unbekannten: Johann Wolfgang von Goethe (Faust 1, Vers 1112 - 1117; Vor dem Tor), von einer deutschen Geistesgröße also.

Das Bild über dem Beitrag zeigt keine Seelen, weil die sich so schlecht fotografieren lassen. Aber ein zerrissenes Herz ist auch ein gutes Sinnbild für das, was viele Menschen empfinden, die mehr als ein Land lieben. Ja, solche Menschen soll es nicht nur dem Hörensagen nach geben, es gibt sie tatsächlich.

So, und jetzt hört mir alle gut zu. Denn heute betätige ich mich als Orakel. Auch wenn Nationalisten zurzeit überall auf der Welt mal wieder besonders laut krakeelen, gehört die Zukunft nicht ihnen. Ich bitte euch. Wir leben im 21. Jahrhundert, das Internet ermöglicht sekundenschnellen Gedankenaustausch mit der ganzen Welt und ein paar Betonköpfe glauben immer noch, wir könnten die Zeit um mindestens hundert Jahre zurückdrehen? Das funktioniert nicht. Nationalismus ist nicht der Weg in eine lebenswerte Zukunft. Deshalb ist es auch völlig egal, wie viele Staatsbürgerschaften ich habe oder nicht habe. Menschen sind nicht eindimensional. Und sehnen sich nach Frieden und Verständnis. (Was sie zu oft durch das Gegenteil zu überdecken versuchen.)

Zurück zu den zwei Seelen. Da gibt's natürlich auch was von Rumi (zur Erinnerung: Er lebte im 13. Jahrhundert), und das geht so:

Mit deiner Seele hat sich meine
gemischt wie Wasser mit dem Weine.
Wer kann den Wein vom Wasser trennen,
wer dich und mich aus dem Vereine?




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