Muslime heute in Europa und der Welt

Muslime heute in Europa und der Welt

Islam in der Krise: Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug*, so heißt das kürzlich erschienene Buch des Religionswissenschaftlers Michael Blume. Islam und Muslime, diese Begriffe allein bilden leider für viele Menschen inzwischen ein rotes Tuch, das vernünftige Diskussionen gewissermaßen im Keim erstickt und zu Panikreaktionen führt. Michael Blume versucht, diese Hysterie ein wenig zurechtzurücken, indem er eine neue Perspektive einnimmt, die Dimensionen der vermeintlich riesigen Zahl an Muslimen zurechtrückt, Säkularisierungstendenzen unter Muslimen verortet und den Islam eher in einer Krise als auf dem Weg zur Übermacht verortet.

Wer nicht sofort das ganze Buch lesen möchte, dem seien zwei Interviews mit dem Autor empfohlen.
Im Deutschlandfunk ist Michael Blume im Gespräch mit Andreas Mein:  "Der Islam kann auch untergehen".
Für Qantara sprach Christoph Hasselbach mit ihm: Stiller Rückzug vom Islam.

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Zeitalter des Zorns

Zeitalter des Zorns

Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart*, so lautet der Titel eines Buchs des indischen Autors Pankaj Mishra. 

Angesichts der aktuellen Nachrichten aus aller Welt können wir uns manchmal des Eindrucks nicht erwehren, die Welt sei aus den Fugen geraten. Wer sich nicht damit begnügen möchte, sich mit einzelnen Problemen zu beschäftigen (so wichtig deren Lösung auch ist), und einen Gedankenrahmen sucht für die weltweiten Krisen, dem sei dieses Buch empfohlen, dessen englischer Originaltitel Age of Anger lautet.

Pankaj Mishra wirft einen Blick zurück auf die europäische Geistesgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. So gelingt es ihm zu zeigen, dass Modernisierungsprozesse, und solchen stehen wir heute mehr denn je gegenüber, nie frei von massiven Problemen und meist begleitet von Gewalt waren. Amokläufe, Hass, rohe Gewalt – sie sind kein Kennzeichen eines Clash of Civilizations oder einer einzelnen Religion, so sehr sich das manche einreden wollen. Pankaj Mishra legt dar, dass autokratische und totalitäre schon immer Ausdruck der Hilflosigkeit derjenigen waren, die im Modernisierungsprozess nicht mithalten konnten – so wie, vereinfacht gesagt, Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wer die aktuellen Ereignisse in einem großen Rahmen und aus neuen Blickwinkeln sehen möchte und sich nicht mit vereinfachenden Zuweisungen begnügt, sollte dieses Buch lesen. Es ist keine einfache Lektüre, aber eine, die sich lohnt.

Wer nicht gleich zum Buch greifen möchte, mag vielleicht zur Einfürhung ein Interview mit Pankaj Mishra lesen, das in der ZEIT erschien: „Der Wunsch nach Zerstörung ist Teil der modernen Gesellschaften“.

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