Refugee-buddies

Refugee Buddies

Im Rhein-Main-Gebiet engagieren sich Refugee Buddies ehrenamtlich für Flüchtlinge jeden Alters. Die Buddies unterstützen Neuankömmlinge in Deutschland mit individuellem Sprachunterricht und sind bei Bedarf über das Deutschlernen hinaus Ansprechpartner und Begleiter ihrer Schützlinge. Unterstützt wird das Projekt vom Café 1 und dem AstA der FH Frankfurt.

Initiatorin und Organisatorin dieses Hilfsprojekts ist eine junge Studierende der Poltikwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main: Morsal Hassan. Wir fragten sie nach ihren Motiven für ihr eindrucksvolles Engagement:

„Nach meinem Abi in Deutschland habe ich einen Freiwilligendienst in Frankreich absolviert, danach war ich für zwei Monate in meiner Geburtsstadt Mazar-e-Sharif und habe in einem Waisenhaus gearbeitet. Anschließend habe ich mein Studium in Politikwissenschaft begonnen und wusste definitv, dass ich viel mit Menschen arbeiten will. Da ich mich besonders für Asylpolitik interessiere, arbeite ich gerne in der Flüchtlingshilfe. Unter anderem habe ich schon in der Rechtsberatung für Asyl in Not in Wien gedolmetscht, ebenso für die Caritas am Flughafen Frankfurt. Dabei hilft mir natürlich, dass ich neben Deutsch, Französisch und Englisch auch fließend Dari spreche.“

Wer unterstützt die Refugee Buddies organisatorisch?

„Eigentlich hat mein Bruder Kais Hassan dieses Projekt angestoßen. Er studiert Bauingenieurwesen an der TU Darmstadt, hat aber sehr gute Kontakte an der Frankfurt University (früher FH), denn er arbeitet seit mehreren Jahren im Café 1 an der FH Frankfurt und hat das Kulturreferat im AstA der FH.
Zunächst war da nur die Idee, Sprachunterricht und ein Buddy-System anzubieten, und wir haben einfach losgelegt. Über Facebook habe ich einen Aufruf gestartet, ob es Freiwillige gibt, die Lust haben, Deutschkurse für Flüchtlinge zu geben und das Projekt zu unterstützen. Freunde und Bekannte habe ich direkt angesprochen. Nachdem sich zeigte, dass viele bereit waren zu helfen, konnten wir auch sehr schnell mit dem Unterricht starten. Dank der Vermittlung meines Bruders standen die Räume des Café 1 für uns sofort zur Verfügung. Auch Fritz Fischer vom AstA FH ist jederzeit für alle Vorschläge und Ideen offen und bereit, das Projekt finanziell zu unterstützen, zum Beispiel beim Ausdruck von Unterrichtsmaterialein, oder auch vor Ort organisatorisch mitzuhelfen. Judith Block erstellte netterweise Flyer für die Refugee Buddies. In Mannheim wirken Zohal Mahdy und Anna Frese tatkräftig mit.“

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Masuleh

Reisetagebuch Iran. Teil 2, vom Kaspischen Meer bis Teheran

von Yunus Balcik

Von Rasht nach Masuleh

Wir saßen bis in die frühen Morgenstunden zusammen. An der Wand hingen Poster von Quentin-Tarantino-Filmen sowie einiger amerikanischer Rockbands. Die Musik, die wir hörten, sowie die Filme und Bücher, über die wir uns unterhielten, waren mir alle geläufig und generell war das einzige, was mich daran erinnerte, dass ich nicht in einem westlichen Land war, die Tatsache, dass die meisten meiner neuen Bekannten eher gebrochenes Englisch sprachen. Ich fühlte mich sehr zu Hause, der Gastgeber Sina kochte mitten in der Nacht für uns und ich zeigte mehrmals meine beiden Pässe und keiner der Anwesenden definierte sich über die Religion. Meine insgesamt zweite Nacht im Iran und die erste in einem iranischen Haushalt verlief also ganz anders als erwartet, ich hatte mir nicht vorgestellt, dass junge Leute in diesem Land uns so ähnlich sind. Sie klagten viel über die Regierung und dass sie lieber in Westeuropa oder Kanada leben würden (wohlgemerkt nicht unbedingt in Amerika).

Im Iran

Nach sehr wenigen Stunden Schlaf verließen Ohveiz und ich Sinas Haus. Für den Tag war etwas ganz Besonderes geplant. Ich hatte Ohveiz bereits am Vortag gefragt, wie man von Rasht aus nach Masuleh reisen könne, ein kleines Dorf, das in Terrassen einen steilen Berg in der Ghilan-Provinz hochklettert, laut Reiseführer ein Muss für jeden Touristen. Er teilte mir erfreut mit, dass er bereits seit Wochen mit seinen Freunden hinzufahren plante. Wir mussten nur einige Sachen erledigen, unter anderem eine Sim-Karte für mich kaufen (was ich alleine, iranischer Bürokratie sei Dank, wirklich niemals hinbekommen hätte) und benutzten in diesem Zusammenhang auch erstmals einen öffentlichen Bus. Wir mussten rennen, da der Bus schon fast losfuhr (mit offenen Türen) und ohne darüber nachzudenken, sprang ich durch die hintere Tür, die mir am nächsten war. Ich hörte Ohveiz hinter mir schreien, als ich verstand, dass ich versehentlich ins Frauenabteil des Busses gestiegen war. Er zerrte mich wütend aus dem Bus, die Frauen starrten teils amüsiert, teils verschämt auf den Boden, und ich fand mich kurz darauf mit hochrotem Kopf eine Tür weiter wieder, im Männerabteil, aber genau neben der Metallstange, die die beiden Abteile voneinander trennte.

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Ein Schuljahr in Indien

Bericht über mein Auslandsschuljahr

von Konstantin Pelz (16)

12. Juli 2014, 01:30 a.m., Flugzeug. Pilot: „Hello, I’m happy to announce that we will arrive in Delhi in about an hour. We will have 35°C and humid weather.“
Ich: „Das kann doch nicht sein. Der nimmt uns doch sicher auf den Arm! Oder ...?“
Als wir dann um 2:00 Uhr landeten, merkten ich und die anderen: Das war kein Spaß, das ist hier wirklich so warm.

Wie alles begann ...

Indien … Land der Farben, der scharfen Gewürze und exotischen Gewänder.
Ein Traum war für mich in Erfüllung gegangen, als ich im November 2013 erfuhr, dass meine Bewerbung für ein YFU-Auslandsschuljahr in der größten Demokratie der Welt Erfolg gehabt hatte. Und die Freude war groß, als ich außerdem einige Monate später das Stipendium „Botschafter Bayerns“ vom Bayerischen Kultusministerium verliehen bekam.

„Ein Jahr im Ausland ist ja cool, aber was zum Teufel willst du ausgerechnet in INDIEN?!“ war eine der meistgestellten Fragen in diesem Zusammenhang.

Ganz einfach: Es zog mich nicht in eines der „üblichen“ Länder, in denen sich Kultur, Lebens- und Essgewohnheiten nicht wesentlich von unserer westlichen Gesellschaft unterscheiden. Was ich hautnah erleben wollte, war eine einzigartige Erfahrung am anderen Ende der Welt.
Allerdings hatte ich dabei die Entscheidung für Indien durchaus ganz bewusst getroffen, weil diese Nation gerade im IT-Sektor, dem mein besonderes Interesse gilt, sehr aufstrebend ist.

Die Ankunft

Und nun war ich also hier ...

Auf Teppichboden gingen wir erst zu einer aufwändig gestalteten Passkontrolle, dann zum Gepäckband (wo übrigens der Reißverschluss meines Rucksacks aufplatzte, was nicht so lustig war). Im Anschluss wurden wir von Mitarbeitern von YFU Indien empfangen.

Aufgrund der Temperaturen zogen wir es vor, IM Flughafen auf den Bus zu warten, der uns dann zur Indian Hights School brachte. Drei Klassenzimmer hatte man dort für uns in Schlafräume umfunktioniert und wir konnten auch die anderen Räume der Schule für unsere Orientierungsveranstaltung nutzen. Am zweiten Tag hieß man uns sogar mit einer ganzen Zeremonie willkommen.

Am dritten Tag stand Delhi-Sightseeing auf dem Programm - zumindest ansatzweise (wir fuhren mit dem Bus herum und stiegen beim India Gate kurz aus; beim Überqueren der Straße fühlten wir uns ein bisschen wie in einem Videospiel: Du versuchst, heil hinüberzukommen, und die Autos versuchen, dich zu treffen).

Mit den anderen Austauschschülern hatte ich mich auch schon angefreundet. Unsere Gruppe bestand aus zehn Deutschen sowie je einem Teenager aus Frankreich, Belgien, Norwegen und den USA. Insgesamt waren wir drei Jungs und elf Mädchen.

Andere Aktivitäten während dieser ersten Tage: Wir lernten etwas über Indien bzw. die indische Kultur, sahen uns Bollywood-Filme an und machten unsere ersten Versuche, Cricket zu spielen.

Nach diesen tollen vier Tagen hieß es, Abschied von der großen Gruppe zu nehmen – der Transfer in die Gastfamilie stand an. Dafür fuhren wir (drei Austauschschüler und ein Begleiter) sechs Stunden lang nach Patiala. Dort traf ich meine Gastmutter Harsimranjeet und ihren Sohn Fatehbirzum ersten Mal.

Die nächsten Wochen vergingen wie im Flug: Wir besuchten häufig Verwandte, ich kaufte eine Schuluniform, ging zum ersten Mal in die Schule, fand Freunde und bemühte mich, richtig anzukommen (was mir auch gelang).

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Straßenszene in Rasht

Reisetagebuch Iran. Teil 1 bis Ankunft Rasht

Yunus Balcik (25) studiert Medizin. Im Jahr 2014 bereiste er einen Monat lang auf eigene Faust mit dem Rucksack den Iran. Über seine Reiseerlebnisse berichtet er in einer mehrteiligen Serie. 

Warum ausgerechnet in den Iran?

Wann genau ich den Wunsch entwickelte, in den Iran zu reisen, weiß ich nicht mehr. Allerdings weiß ich noch, dass seit meiner Kindheit ein großes, prachtvolles Buch mit Bildern voller Vasen, Miniaturen und Schriften auf unserem Wohnzimmerregal thronte. Der Titel, 7000 Jahre Kunst im Iran, bedeutete damals nicht viel für mich, da ich noch kein Konzept von Geschichte oder Kultur hatte. In den letzten Jahren fielen mir immer wieder iranische Bücher oder Filme auf, die meine Neugier weckten und mich über persische Literatur, die moderne Geschichte und Politik des Irans zu vielen Berichten von in den Iran gereisten Leuten führten, die ich begierig las. Sehr wenige Menschen, die ich persönlich auf anderen Reisen traf, konnten mir von ihren eigenen Erfahrungen im Iran berichten. Aber die wenigen, die ich kennenlernte, bestätigten mir ebenso wie Bekannte mit iranischen Wurzeln alle das positive Bild, das ich mir von diesem mysteriösem Land gemalt hatte.

Um meinem Wunsch näherzukommen, beantragte ich bereits ein Jahr vor dem Reisetermin einen türkischen Reisepass, da türkische Staatsbürger zu den wenigen gehören, die ohne Visum in den Iran einreisen dürfen. Deutsche Staatsangehörige erhalten normalerweise ohne größere Probleme ein Touristenvisum, allerdings meist über eine Reiseagentur und mit vielen bürokratischen Hürden und Bearbeitungsgebühren.
Nachdem ich endlich in einem Ferienjob das benötigte Geld für eine einmonatige Rucksacktour durch den Iran zusammengekratzt und mich monatelang im Internet vorzubereiten versucht hatte, buchte ich einen Flug in die Türkei und einen Rückflug aus Teheran. Der Grund, warum ich nicht einfach in Europa in ein Flugzeug steigen wollte, um im Iran auszusteigen, ist, dass ich langsam im Iran ankommen wollte. Ich wollte sehen, wie sich die Landschaft und die Leute verändern, wenn man aus der relativ offenen Türkei in den sagenumwobenen und verschlossenen Iran reist. Amerikaner zum Beispiel dürfen das Land nur in Reisegruppen betreten und sich während des gesamten Aufenthalts nicht von ihrem Touristenführer trennen. Noch dazu war ich trotz all meiner Recherchen bis zu meinem Grenzübertritt nicht ganz sicher, ob mein türkischer Pass wirklich ausreichen würde, um in den Iran einzureisen. Die wenigen Informationen, die ich zu diesem Thema fand, wirkten nicht sehr überzeugend auf mich, bestätigten jedoch alle, dass man als Türke weder eine Einladung eines iranischen Staatsbürgers noch eine Genehmigung oder sonstige Formalitäten benötigt, um die Grenze zu überqueren.

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