Islam für Kinder

Das Buch ist nicht neu, erweist sich aber immer noch als kenntnisreiche und übersichtliche Einführung in den Islam, eine Einführung, die Kinder ebenso anspricht wie Erwachsene. Der Islam. Für Kinder und Erwachsene* von Lamya Kaddor und Rabeya Müller, erstmals erschienen 2012. Nicht zuletzt wegen seiner ansprechenden Gestaltung lohnt sich ein Blick in dieses Buch: Die Stiftung Buchkunst zeichnet es als eines der schönsten deutschen Kinder- und Jugnedbücher aus.

Die Autorinnen des Islambuchs sind bekannt durch ihre liberale und weltoffene Haltung, die sich auch durch dieses Informationsbuch zieht. Die religiösen Grundlagen des Islam werden ebenso vermittelt wie auch kritische aktuelle Fragen im Zusammenhang mit den Islamdiskussionen der letzten Jahre nicht ausgespart werden, etwa Fragen nach einer zeitgemäßen Auslegung religiöser Vorschriften, nach der Rolle von Frauen und dem Problem extremistischer Tendenzen.

Wer sich angesichts vielfach emotionaler und populistischer Diskurse um „den Islam“ zunächst mit einigen grundlegenden Fakten zu dieser Religion vertraut sein möchte, trifft mit diesem Buch eine gute Wahl.

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Im interreligiösen Gespräch

Über extreme Meinungen wird in diversen Medien viel geschrieben, der Verlust der Mitte sei zu beklagen, die Welt polarisiere sich. Im Kandil-Magazin liegt uns seit nunmehr zwei Jahrzehnten das Gegenteil am Herzen: Wo ist unsere gemeinsamer Nenner bei aller Verschiedenheit? Wie setzen wir Vielfalt in Srätke um, die allen Mitgliedern unserer Gesellschaft zugutekommt? Was verbindet unsere unterschiedlichen kultuzrellen und religiösen Vorstellungen und Traditionen? Wie stärken wir die spirituelle Stärke der großen Weltreligionen für eine Welt, die bereit ist, Spaltungen zu überwinden?

Die Lösung kann nur im Dialog liegen, im respektvollen Umgang miteinander und im Gespräch auf Augenhöhe.

Dem interreligiösen, spirituellen Dialog haben sich zwei prominente Vertreter ihrer Religionen gewidmet: der christliche Bendeiktinerpater Anselm Grün und der muslimische Religionsphilosoph Milad Karimi. Ihren interreligiösen Dialog zur Spiritualität in Christentum und Islam haben sie in einem Buch festgehalten, das im Februar 2019 veröffentlicht wurde: Im Herzen der Spiritualität: Wie sich Muslime und Christen begegnen können*.

Bei allen Unterschieden, die es in der Dogmatik von Christentum und Islam geben kann, lässt sich – guter Wille vorausgesetzt! – eine gemeinsame Gesprächsbasis finden, die auf ethischen Werten beider Religionen aufbaut. Unterschiedliche Glaubensvorstellungen fallen dabei keineswegs unter den Tisch, aber im Besinnen auf den spirituellen Kern der scheinbar so unterschiedlichen monotheistischen Religionen kann Vertrtautheit oder wenigstens ein Gefühl der Verbundenheit entstehen, die Menschen mit verschiedenen Vorstellungen zueinander führen.

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Zeitalter des Zorns

Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart*, so lautet der Titel eines Buchs des indischen Autors Pankaj Mishra. 

Angesichts der aktuellen Nachrichten aus aller Welt können wir uns manchmal des Eindrucks nicht erwehren, die Welt sei aus den Fugen geraten. Wer sich nicht damit begnügen möchte, sich mit einzelnen Problemen zu beschäftigen (so wichtig deren Lösung auch ist), und einen Gedankenrahmen sucht für die weltweiten Krisen, dem sei dieses Buch empfohlen, dessen englischer Originaltitel Age of Anger lautet.

Pankaj Mishra wirft einen Blick zurück auf die europäische Geistesgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. So gelingt es ihm zu zeigen, dass Modernisierungsprozesse, und solchen stehen wir heute mehr denn je gegenüber, nie frei von massiven Problemen und meist begleitet von Gewalt waren. Amokläufe, Hass, rohe Gewalt – sie sind kein Kennzeichen eines Clash of Civilizations oder einer einzelnen Religion, so sehr sich das manche einreden wollen. Pankaj Mishra legt dar, dass autokratische und totalitäre schon immer Ausdruck der Hilflosigkeit derjenigen waren, die im Modernisierungsprozess nicht mithalten konnten – so wie, vereinfacht gesagt, Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wer die aktuellen Ereignisse in einem großen Rahmen und aus neuen Blickwinkeln sehen möchte und sich nicht mit vereinfachenden Zuweisungen begnügt, sollte dieses Buch lesen. Es ist keine einfache Lektüre, aber eine, die sich lohnt.

Wer nicht gleich zum Buch greifen möchte, mag vielleicht zur Einfürhung ein Interview mit Pankaj Mishra lesen, das in der ZEIT erschien: „Der Wunsch nach Zerstörung ist Teil der modernen Gesellschaften“.

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