Feriköy – christliche Friedhöfe in Istanbul

Eins der vielen historischen Mosaikteilchen, die die Metropole Istanbul so einzigartig machen, greifen wir mit diesem Beitrag auf: christliche Friedhöfe in Istanbul. Der katholische und der protestantische Friedhof liegen heute mitten im Großstadtgewühl. Als sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereitgestellt wurden, dürfte es in dieser Gegend, nur wenige Kilometer vom Taksim-Platz und den traditionell von Europäern bewohnten Vierteln entfernt, noch wesentlich ruhiger zugegangen sein. 

Dieses Bild zeigt das Eingangstor zum protestantischen Friedhof in Feriköy, der durch eine Straße vom katholischen Friedhof abgetrennt ist. Anfang Februar konnte ich den evangelischen Friedhof besuchen. Was mich dorthin führte, ist eine der vielen persönlichen Geschichten, die von der langen deutsch-türkischen Verbundenheit zeugen. 

Eine dieser erstaunlichen deutsch-türkischen Verbindungen aus meinem kleinen hessischen Dorf habe ich vor Jahren in meinem privaten Blog festgehalten: Von Staden nach Tarabya, anno 1884. Als weiteres Verbindungsglied zwischen dem Dorf und der Metropole erweist sich ausgerechnet der alte protestantische Friedhof in Istanbul. Und das kommt so: Einer der besten Freunde meines ältesten Sohnes in unserem Dorf hat einen Großvater, dessen Großvater wiederum als Bahnmeister am Bau der ersten Eisenbahnstrecken im damaligen Osmanischen Reich beteiligt war (Stichwort: Bagdadbahn). Dieser Ururgroßvater wurde vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Friedhof von Feriköy beerdigt.

Dieser Grabstein ist eins der Beispiele, wie deutsche Inschriften auf dem Friedhof von feriköy aussehen.

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Geschichte der Stadt Istanbul

Was könnte für historisch Interessierte spannender sein als die Geschichte einer uralten, kosmopolitischen Stadt, die zwei Kontinente verbindet?

Diese lange, vielfältige Stadtgeschichte präsentiert die britische Historikerin und Autorin Bettany Hughes in Buchform: Istanbul. Die Biographie einer Weltstadt*. 928 Seiten sind ein stolzer Umfang für ein Buch und dennoch ist klar, dass der Versuch einer Stadtgeschichte von Istanbul immer nur fragmentarisch sein kann. Zu vielfältig sind die Mosaiksteine, die sich zum historischen Ganzen zusammenfügen, zu vielfältig sind die Perspektiven, aus denen man dieses Moasik betrachten kann.

Eine kritische Rezension zum Buch liefert Ulrich von Schwerin bei qantara.de. Wir haben das Buch nicht gelesen, denken aber, dass es auf jeden Fall eine interessante Lektüre sein kann für jemanden, der sich für das historische Istanbul interessiert und einige möglicherweise neue Aspekte der Metropole zwischen Orient und Okzident und ihrer wechselhaften Geschichte unter byzantinischer, osmanischer und Kreuzritter-Herrschaft kennenlernen möchte.

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Türkische Türkise

Türkisblaues Meer gibt es an türkischen Küsten. Aber weshalb eigentlich? Sehen wir uns die Herkunft der beiden Wörter „türkisch“ und „türkis“ einmal näher an. Unschwer lässt sich auf den ersten Blick erkennen, wie ähnlich sich die beiden Wörter sind. Und das ist möglicherweise überraschend, aber keineswegs ein Zufall, wie sich unten zeigen wird.

Die Bezeichnung „Türk“ für einen bestimmten Zusammenschluss von asiatischen Nomaden ist sehr alt. Erstmals wird das Wort „Türk“ in chinesischen Schriften aus dem 6. Jahrhundert erwähnt. Später wurde der Begriff ausgeweitet und übertragen, auch von islamischen Gelehrten, bis „Türk“ zur Bezeichnung für die Sprach- und Völkerfamilie der Türken wurde, die im Laufe der Geschichte hauptsächlich in Anatolien sesshaft wurde.

Das Minderal bzw. der Schmuckstein Türkis wurde früher in Deutschland „Kallait“ bzw. lat. „callaina“ genannt. Diese beiden Wörter gehen wiederum zurück auf altgriechisch kalláïnos“, das blau und grün schillernd“ bedeutet. Im 15. Jahrhundert setzte sich in Frankreich die Bezeichnung pierre turquoise“, d. h. türkischer Stein“ durch. Die Kreuzfahrer, die Türkise mit nach Europa brachten, nahmen offenbar an, dass das Mineral aus der Türkei stammte. Eigentlich aber kamen Türkise aus dem Iran und wurden in der Türkei nur gehandelt. Das Wort turquoise“ aber blieb auch in der deutschen Sprache erhalten, nämlich als Türkis. Noch später wurde das Wort auch für die Farbe verwendet, die so faszinierend zwischen Blau und Grün schimmert, beim Schmuck ebenso wie beim klaren Meerwasser an warmen Küsten.

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Schwarzkümmel

Woher der Ausdruck Kümmeltürken kommt, bleibt unklar. Sonnenklar dagegen ist die wichtige Rolle, die Schwarzkümmel als traditionelles Naturheilmittel im Islam spielt.

Es gibt viele verschiedene Kümmelarten aus der Familie der Hahnenfußgewächse, die oft an Wegrändern wachsen. Der Schwarzkümmel, der für Muslime so bedeutsam ist, heißt eigentlich Echter Schwarzkümmel (lat. Nigella sativa). Die Heimat des Echten Schwarzkümmels liegt u. a. im Irak und in der Türkei, er wächst u. a. auch in Nordafrika und Pakistan – in Ländern also, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt werden.

Sogar einen Hadith gibt es zum Schwarzkümmel, dessen heilende Wirkung also schon dem Propheten (as) bekannt war. Nach Abu Huraira soll er gesagt haben, dass im Schwarzkümmel Heilung für jede Erkrankung liege – mit Ausnahme des Todes.

Heute weiß man, dass Schwarzkümmel in Ägypten schon zur Zeit der Pharaonen als Heilpflanze bekannt war. 

Schwarzkümmelöl gilt heute als wikungsvolles Naturheilmittel bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen. 

Außerdem ist Schwarzkümmelöl ein beliebter Zusatz für verschiedene Kosmetika, auch als Nahrungsergänzungsmittel wird er von vielen Menschen geschätzt, und das längst nicht nur von Muslimen. Ob mithilfe des Schwarzkümmelöls das gewünschte Ergebnis erzielt wird, hängt natürlich von zahlreichen Faktoren ab. Bei der Einnahme von Schwarzkümmelöl kommt es auch auf die Regelmäßigkeit der Anwendung an. Die Qualität des Schwarzkümmelöls spielt sowohl bei äußerlich als auch bei innerlicher Anwendung ebenfalls eine entscheidende Rolle. 

Sollten Sie Schwarzkümmel bzw. daraus hergestellte Produkte unter medizinischen Aspekten verwenden wollen, informieren Sie sich bitte über Wirkungsweisen und Anwendung unbedingt vorab bei der Ärztin oder beim Arzt Ihres Vertrauens.

Ohne Arztbesuch genießen kann man den Biss ins Fladenbrot, das mit Schwarzkümmelsamen bestreut besonders gut schmeckt.

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Die Medizin des Propheten

Während einerseits die Möglichkeiten der Medizin durch technische Neuerungen stetig erweitert werden, besinnt man sich andererseits auf traditionelle und bewährte Heilmethoden. Recht wenig bekannt ist die islamische Medizin, besser bekannt als Prophetische Medizin oder Medizin desd Propheten. Vor allem islamische Hadith-Gelehrte haben sich mit diesem Thema befasst, Gelehrte also, die nicht Ärzte im engeren Sinn waren, sondern in erster Linie Religionsgelehrte, die die Hadithe, also die Überlieferungen des Propheten, untersuchten. 

Diese spezifisch islamische Medizin stützt sich auf Überlieferungen zu Medizin und Hygiene. Einem von Buchari überlieferten Hadith zufolge habe Allah keine Krankheit herabgesandt, ohne gleichzeitig für Heilmittel zu sorgen. Die älteste Schrift mit dem ausdrücklichen Titel „Die Medizin des Propheten“ (Ṭibb an-nabī) wurde von Ahmad ibn Muhammad Ibn as-Sunnī verfasst, der im 10. Jh. unserer Zeitrechnung lebte. Viele weitere Werke anderer Gelehrter zur Medizin im Islam folgten. Neben Heilmitteln werdfen auch Beschwörungsformeln genannt, die gegen bestimmte Krankheiten helfen sollen. In einigen Bereichen lassen sich Überschneidungen mit der antiken griechischen und mit der jüdischen Medizin erkennen. Spezifisch islamisch ist die Medizin des Propheten in Bezug auf Heilmittel und Speisen, die den islamischen Geboten folgen müssen. Außerdem wird betont, dass die letzte Entscheidung über Krnakheit oder Gesundheit eines Menschen stets bei Gott, bei Allah liegt.

Bemerkenswert sind die Abhandlungen islamischer Gelehrter zur Musiktherapie, in denen sich aus heutiger Sicht Ansätze zur psychosomatischen Medizin erkennen lassen.

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