Aufklärung und Islam

Der Islam habe nie ein Zeitalter der Aufklärung erlebt und sei deshalb zurückgeblieben, so oder ähnlich lautet ein gängiger Vorwurf aus dem Westen. Die historisch-philosophisch-theologische Realität ist komplexer als dieses bequeme Vorurteil. In seinem Buch Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft zeichnet der britische Journalist und Nahost-Spezialist Christopher de Bellaigue ein anderes Bild. Das eines „Orients“, der in Zeiten des Umbruchs nach Reformen strebte und sich nicht scheute, westeuropäische Vorbilder zu suchen und, den eigenen gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten folgend, sie ganz im Sinn aufklärerischen Gedankenguts anzupassen und weiterzuentwickeln. Im breiteren westlichen Bewusstsein sind die muslimischen Reformer des 18. und 19. Jahrhunderts bisher kaum verankert, zumal Aufklärung oft nur aus einseitig europäischer Perspektive wahrgenommen wird.



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