Kein kalter Kaffee

Die Lage ist ernst, wenn sich ein Komiker eines Themas annimmt! Kiffen, Kaffee und Kajal. Eine kurze Geschichte von allem, was uns lieb und orientalisch ist* heißt das neue Buch des Kabarettisten und Schriftstellers Kerim Pamuk. Bekannt ist Kerim Pamuk, der mit 9 Jahren nach Deutschland kam, als jemand, der humorvoll deutsch-türkische Besonderheiten aufs Korn nimmt. Aber er hat sich nicht nur als Kabarettist einen Namen gemacht, sondern auch durch seine satirischen Veröffentlichungen, angefangen bei „Sprich langsam, Türke“ (2003) über „Allah verzeiht, der Hausmeister nicht“ (2009). 

Sein 2019 erschienenes Buch über „Kiffen, Kaffee und Kajal“ zeigt auf unterhaltsame Weise, wie viele arabische und „orientalische“Wörter die deutsche Sprache schon seit Jahrhunderten „unterwandert“, d. h., es sich längst in der deutschen Sprache unbd damit in unserem Unterbewusstsein bequem gemacht haben. So wird die Wörterwanderung zu einem Stück Kulturgeschichte, das sich laut Verlagsankündigung u. a. folgender Themen annimmt:

  • Guten Morgen, Abendland! Der Orient – seit Jahrhunderten unter uns
  • Wie der Orient nach Deutschland kam
  • Ein unterhaltsames und entlarvendes Antihysterikum
  • Wirkt gegen unausrottbare Vorurteile und gefühlte Ängste

Gelesen haben wir das Buch noch nicht. Hoffen wir zum Tag des Kaffees am heutigen 1. Oktober, dass es hält, was die Vorschau verspricht.

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Die Anfänge des Islam

Bild von GLady auf Pixabay

Aus muslimischer Sicht gibt es sehr viel Literatur über die Zeit des verehrten Propheten Muhammad, über seine Aussprüche (Hadithe) und seine Taten. Die religiöse Dimension seines Wirkens liegt naturgemäß im Zentrum der Forschung aus islamischer Sicht. Die vorislamische, „ungläubige“, unwissende Zeit (arab. Dschahilija) blieb weitgehend außen vor.

Aus allgemeiner historischer Sicht ist die Arabische Halbinsel der damaligen Zeit (d. h. in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung und speziell der Zeitraum von ca. 550 bis 660) weniger gut erforscht, was unter anderem der lückenhaften Quellenlage geschuldet ist. Vermehrt ist in den letzten Jahren jedoch auch dieser Zeitraum in den Blickwinkel einer interessierten Öffentlichkeit geraten, nicht zuletzt dank einiger Publikationen zum Thema, die allgemein verständlich sind und sich nicht in erster Linie an Wissenschaftler*innen richten.

Dazu gehört das Buch, das der britische Althistoriker Glen W. Bowersock veröffentlicht hat und das seit Anfang des Jahres auch in deutscher Sprache erhältlich ist: Die Wiege des Islam. Mohammed, der Koran und die antiken Kulturen*.

Darin zeichnet er ein Bild der wechselhaften Geschichte einer Region der antiken Welt, in der vor der Geburt des Islam neben Christen und Juden auch Polytheisten um die Vormacht rangen, häufig aber auch in Eintracht miteinander lebten.

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Die Deutschen und der Orient

Die Rezension von Melanie Christina Mohr macht neugierig auf ein Buch des promovierten Historikers und Journalisten Joseph Croitoru. Von religiöser Verachtung bis ästhetischer Faszination, so die Überschrift zur Besprechung des Buchs Die Deutschen und der Orient: Faszination, Verachtung und die Widersprüche der Aufklärung*, verfasst von Joseph Croitoru.

Croitorus Darstellung stützt sich auf Quellen aus politischer Geschichte, Wissenschaft und Literatur in der Zeit der Aufklärung und untersucht die vielen Facetten des deutschen Orientbildes, wozu auch die bekannte türkenfreundliche Einstellung Friedrichs des Großen gehört.

Auch Jahrhunderte nach der Aufklärung ist Aufklärung nötig, kursieren doch über den islamischen Orient die unterschiedlichsten Vorstellungen und Klischees. Der Rezension nach zu urteilen, gelingt es Croitoru offenbar, nicht nur die verschiedenen Perspektiven darzustellen, sondern sie auch miteinander zu verknüpfen und damit eine eingehende Analyse des gespaltenen Verhältnisses der Deutschen zum Orient zu vermitteln. 

Das Buch wandert auf meine Wunschliste noch zu lesender Bücher.

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Geschichte der Stadt Istanbul

Was könnte für historisch Interessierte spannender sein als die Geschichte einer uralten, kosmopolitischen Stadt, die zwei Kontinente verbindet?

Diese lange, vielfältige Stadtgeschichte präsentiert die britische Historikerin und Autorin Bettany Hughes in Buchform: Istanbul. Die Biographie einer Weltstadt*. 928 Seiten sind ein stolzer Umfang für ein Buch und dennoch ist klar, dass der Versuch einer Stadtgeschichte von Istanbul immer nur fragmentarisch sein kann. Zu vielfältig sind die Mosaiksteine, die sich zum historischen Ganzen zusammenfügen, zu vielfältig sind die Perspektiven, aus denen man dieses Moasik betrachten kann.

Eine kritische Rezension zum Buch liefert Ulrich von Schwerin bei qantara.de. Wir haben das Buch nicht gelesen, denken aber, dass es auf jeden Fall eine interessante Lektüre sein kann für jemanden, der sich für das historische Istanbul interessiert und einige möglicherweise neue Aspekte der Metropole zwischen Orient und Okzident und ihrer wechselhaften Geschichte unter byzantinischer, osmanischer und Kreuzritter-Herrschaft kennenlernen möchte.

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In der Welt der Uiguren

Die Welt der Uiguren liegt von Europa aus gesehen ziemlich fern. Von der Seidenstraße haben wir etwas gehört, aber das Gebiet, das sie im Nordwesten Chinas durchquert und das von mehrheitlich muslimischen Uiguren bewohnt wird, liegt uns ziemlich fern. Ebenso wenig wissen wir in der Regel über die Menschen, die in dieser von klimatischen Extremen geprägten Region leben.

Ein Roman der Schweizer Sinologin und Autorin Alice Grünfelder entführt nun auf literarisch anspruchsvolle Art und Weise in die Provinz Xinjiang. Was die Autorin ihre beiden Protagonistinnen Roxana und Linda erleben lässt, ist spannend zu lesen, verknüpft viele Spuren und lässt doch vieles offen. Das profunde Hintergrundwissen der Autorin liefert, ohne sich aufzudrängen, einen wertvollen Rahmen für die literarische Handlung der beiden Suchenden Europäerinnen in einer Weltgegend, die unweigerlich zu Extremen führt.

Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die gute Sprache lieben und in die Welt der Uiguren eintauchen möchten.

Die Wüstengängerin. Roman von Alice Grünfelder. Edition 8. 2018. 240 S., geb. 22 Euro.

Weitere Informationen zum Buch sowie Fotos, Lese- und Hörproben gibt es auf der Website der Autorin: literaturfelder.com/Die Wüstengängerin

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