Die Deutschen und der Orient

Die Rezension von Melanie Christina Mohr macht neugierig auf ein Buch des promovierten Historikers und Journalisten Joseph Croitoru. Von religiöser Verachtung bis ästhetischer Faszination, so die Überschrift zur Besprechung des Buchs Die Deutschen und der Orient: Faszination, Verachtung und die Widersprüche der Aufklärung*, verfasst von Joseph Croitoru.

Croitorus Darstellung stützt sich auf Quellen aus politischer Geschichte, Wissenschaft und Literatur in der Zeit der Aufklärung und untersucht die vielen Facetten des deutschen Orientbildes, wozu auch die bekannte türkenfreundliche Einstellung Friedrichs des Großen gehört.

Auch Jahrhunderte nach der Aufklärung ist Aufklärung nötig, kursieren doch über den islamischen Orient die unterschiedlichsten Vorstellungen und Klischees. Der Rezension nach zu urteilen, gelingt es Croitoru offenbar, nicht nur die verschiedenen Perspektiven darzustellen, sondern sie auch miteinander zu verknüpfen und damit eine eingehende Analyse des gespaltenen Verhältnisses der Deutschen zum Orient zu vermitteln. 

Das Buch wandert auf meine Wunschliste noch zu lesender Bücher.

weiterlesen

Geschichte der Stadt Istanbul

Was könnte für historisch Interessierte spannender sein als die Geschichte einer uralten, kosmopolitischen Stadt, die zwei Kontinente verbindet?

Diese lange, vielfältige Stadtgeschichte präsentiert die britische Historikerin und Autorin Bettany Hughes in Buchform: Istanbul. Die Biographie einer Weltstadt*. 928 Seiten sind ein stolzer Umfang für ein Buch und dennoch ist klar, dass der Versuch einer Stadtgeschichte von Istanbul immer nur fragmentarisch sein kann. Zu vielfältig sind die Mosaiksteine, die sich zum historischen Ganzen zusammenfügen, zu vielfältig sind die Perspektiven, aus denen man dieses Moasik betrachten kann.

Eine kritische Rezension zum Buch liefert Ulrich von Schwerin bei qantara.de. Wir haben das Buch nicht gelesen, denken aber, dass es auf jeden Fall eine interessante Lektüre sein kann für jemanden, der sich für das historische Istanbul interessiert und einige möglicherweise neue Aspekte der Metropole zwischen Orient und Okzident und ihrer wechselhaften Geschichte unter byzantinischer, osmanischer und Kreuzritter-Herrschaft kennenlernen möchte.

weiterlesen

In der Welt der Uiguren

Die Welt der Uiguren liegt von Europa aus gesehen ziemlich fern. Von der Seidenstraße haben wir etwas gehört, aber das Gebiet, das sie im Nordwesten Chinas durchquert und das von mehrheitlich muslimischen Uiguren bewohnt wird, liegt uns ziemlich fern. Ebenso wenig wissen wir in der Regel über die Menschen, die in dieser von klimatischen Extremen geprägten Region leben.

Ein Roman der Schweizer Sinologin und Autorin Alice Grünfelder entführt nun auf literarisch anspruchsvolle Art und Weise in die Provinz Xinjiang. Was die Autorin ihre beiden Protagonistinnen Roxana und Linda erleben lässt, ist spannend zu lesen, verknüpft viele Spuren und lässt doch vieles offen. Das profunde Hintergrundwissen der Autorin liefert, ohne sich aufzudrängen, einen wertvollen Rahmen für die literarische Handlung der beiden Suchenden Europäerinnen in einer Weltgegend, die unweigerlich zu Extremen führt.

Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die gute Sprache lieben und in die Welt der Uiguren eintauchen möchten.

Die Wüstengängerin. Roman von Alice Grünfelder. Edition 8. 2018. 240 S., geb. 22 Euro.

Weitere Informationen zum Buch sowie Fotos, Lese- und Hörproben gibt es auf der Website der Autorin: literaturfelder.com/Die Wüstengängerin

weiterlesen

Arabische Lektüre für Anfänger

Lehrwerke für Arabisch gibt es viele, u. a.  Bildwörterbücher, die für Lernende beider Sprachrichtungen (Deutsch > Arabisch und Arabisch > Deutsch) hilfreich sind. Einführende Lektüre für Arabischlernende ist dagegen Mangelware. Abhilfe schafft hier nun ein zweisprachiges (deutsch-arabisches) dtv-Taschenbuch mit Lesetücken, herausgegeben von 1001-Nacht-Übersetzerin Claudia Ott zusammen mit dem bekannten Autor Salim Alafenisch und der Arabistin Antje Lenora. 

Alle arabischen Texte werden auch in lateinischer Umschrift angeführt. Das mag für den einen oder anderen die Hemmschwelle zum Umgang mit den arabischsprachigen Texten herab setzen und hilft möglicherweise, jenseits des reinen Grammatikpaukens, das meist immer noch am Anfang des Arabischlernens steht, einen ersten Eindruck von der Fülle und Schönheit der arabischen Sprache zu erfahren. Die kurzen Texte entstammen ganz unterschiedlichen Bereichen vom Witz über Rezepte zu Sachtexten und Geschichten und bieten so einen ersten leichten Zugang in die arabische Kultur und Literatur. Natürlich können die zweisprachigen Texte auch umgekehrt arabischen Muttersprachlern beim Deutschlernen helfen.

Das Buch folgt damit gewissermaßen dem Motto der Kandil-Website: Es ist Zeit, Türen zu öffnen. Was könnte besser Türen öffnen als das Lernen einer weiteren Sprache!

 *

Erste arabische Lesestücke (dtv zweisprachig)* von Claudia Ott (Hrsg. u.Übers.), Salim Alafenisch (Hrsg.), Antje Lenora (Hrsg.), dtv 2017,  192 S., Taschenbuch 11,90 Euro

weiterlesen