Mächtige Mogulherrscherin

Einflussreiche Frauen aus dem islamischen Kulturkreis sind in Westeuropa meist noch unbekannter als andere Frauen, die im Lauf der Geschichte mehr Aufmerksamkeit und Würdigung ihrer Leistungen verdient hätten und haben.

Eine dieser bemerkenswerten Frauen ist Nur Jahan, das „Licht der Welt“, so die Übersetzung. Mihr un-Nisa, so ihr eigentlicher Name, lebte von 1577 bis 1645 und wurde zu einer der einflussreichsten Frauen im Indien des 17. Jahrhunderts. In Indien, Pakistan und Bangladesh ist ihr Name noch heute ein Begriff, der mit kurltureller Tradition ebenso wie mit volkstümlicher Überlieferung verbunden ist.

Den Ehrennamen Nur Jahan verlieh ihr ihr Ehemann Großmogul Jahangir. Für ihre Nichte Mumtaz Mahal wurde das weltberühmte Taj Mahal erbaut, das Stein gewordene Zeichen der Liebe ihres Mannes, des Großmoguls Shah Jahan.

Doch zurück zu Nur Jahan selbst: Sie schrieb Gedichte, ging auf die Jagd und war beteiligt am Bau vieler wichtiger Bauten (heute würde man sie als Architektin bezeichnen). Das Grabmal, das sie für ihre aus Persien stammenden Eltern errichten ließ, inspirierte u. a. den späteren Bau des oben erwähnten Taj Mahal.

Aber sie war mehr als Mäzenin und Lieblingsfrau: Sie wurde zur Mitregentin, die wichtige politische Entscheidungen traf und die Geschicke des Reichs mitbestimmte und sich selbst an die Spitze einer Armee stellte. So ging sie mit all ihren Handlungen weit über die Rolle hinaus, die die Tradition Herrscherfrauen üblicherweise zugedacht hatte. Für ihren Einsatz wird sie heute von einigen als wichtige feministische Vorkämpferin gesehen.

Nur Jahan

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Geschichte einer Sufiprinzessin

Eine Muslimin, die im Zweiten Weltkrieg zur britischen Kriegsheldin wurde und von den Nationalsozialisten in Deutschland ermordet: ein wirklich ungewöhnliches Schicksal für eine Frau, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte.

Noor Inayat Khan kam 1914 in Moskau als älteste Tochter der Amerikanerin Ora Ray Baker und des indischen Sufis und Musikers Hazrat Inayat Khan zur Welt. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs zog die Familie zunächst nach London, dann nach Paris um. Noor Inayat Khan wuchs in einer kosmopolitischen und spirituellen Umgebung auf, in der ihre Haltung reifte, konsequent für die friedliche Einheit aller Wesen einzustehen. Sie studierte Kinderpsychologie an der Sorbonne, wurde musikalisch an Klavier und Harfe ausgebildet und schrieb Kolumnen für „Le Figaro“. 

1940 floh die Familie vor den Nazis nach London, Noor Inayat Khan wurde Funkerin einer britischen Spezialeinheit im Nachrichtendienst, während sie weiterhin Geschichten und Erzählungen verfasste. Sie leistete gewaltfreien Widerstand gegen ein unmenschliches Regime, das Juden und viele andere erbarmungslos verfolgte und vernichtete.

Am 13. September 1944 wurde sie im Konzentrationslager Dachau erschossen, nachdem sie verraten und gefoltert wurde.

Noor Inayat Khan

Im Jahr 2012 wurde Noor Inayat Khan, der „Sufiprinzessin“, wie sie von vielen ehrfürchtig genannt wird, ein Denkmal am Gordon Square in London gesetzt. Postum wurde sie mit dem Corix de Guerre in Frankreich und mit dem Georges Cross in England geehrt.

Das Buch König Akbar und seine Tochter: Geschichten aus einer Welt*, herausgegeben vom Inayati-Orden Deutschland e. V., enthält Geschichten, Erzählungen, Parabeln und Anekdoten, die Noor Inayat Khan verfasste.

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