Latife Uşşaki

Latife Uşşaki, 17. Juni 1899 (Izmir) – 12. Juli 1975 (Istanbul)

Latife Hanım (1923)

Als älteste Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie erhielt Latife Uşşaki eine moderne und internationale Erziehung, u. a. in England und Frankreich. An der Pariser Sorbonne studierte sie Rechtswissenschaften, bevor sie 1922 in das seinerzeit noch besetzte Izmir zurückkehrte.

Von 1923 bis 1925 war sie mit Mustafa Kemal Atatürk verheiratet. In dieser Zeit unterstützte sie Atatürks politische Pläne bei der Gründung der Türkischen Republik und setzte sich insbesondere für Frauenrechte und deren Verankerung in einem neuen Familiengesetz ein.

Nach ihrer Scheidung zog sie sich völlig aus dem öffentlichen Leben zurück, ihre Rolle als Vorreiterin der Frauenemanzipation in der Türkei geriet in Vergessenheit. In den meisten Erinnerungen an die Zeit der Republikgründung wurde Latife als verwöhnte Frau dargestellt, der die alleinige Schuld an der Trennung von Atatürk zukam.

Erst 2006 rückte Ipek Çalışlar mit ihrer Biografie “Latife Hanım” diese gebildete und willensstarke Frau wieder in das ihr gebührende Licht.
International wusste man Latifes Qualitäten offenbar mehr zu schätzen als in der Türkei. So erschien zum Beispiel am 23. Dezember 1923 nach einer Krankheit Atatürks ein Kommentar in der New York Times unter der Überschrift: “Die Witwe Kemals könnte die Türkei regieren”.

(Bis 1934 hieß Latifes Familie Uşakizade; der größte Teil der Familie wählte anlässlisch des Gesetzes über die Einführung von Familiennamen den Namen Uşaklıgil, so auch der Schrifsteller Halit Ziya, Latifes Großonkel. Latifes Eltern dagegen nahmen den Namen Uşşaklı an. Latife erhielt ihren Nachnamen Uşşaki eigens von Atatürk, wie Çalışlar in “Mrs. Atatürk – Latife Hanım: Ein Porträt” erläutert.)

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