Kunstvolle osmanische Kacheln

Wer hat sie nicht schon gesehen und bewundert: die farbenfrohen Kacheln mit geometrischen oder floralen Mustern, die osmanische Moscheen (im Bild zu sehen Kacheln der Moschee in Eyüp, Istanbul) und Paläste schmücken. In den beliebten Touristenorten an der türkischen Küste warten weniger kunstvolle, dafür noch farbenfrohere Kacheln aus Massenproduktion auf ihre Käufer.

Die alten osmanischen Kacheln sind Zeugen eines aussterbenden Kunsthandwerks. Benannt sind sie nach dem Ort Iznik, wo diese Kacheln einst in Handarbeit sorgfältig bemalt wurden. (Christen kennen Iznik, nicht weit nordöstlich von Bursa gelegen, als Nicäa. Dort hielt im Jahr 325 Kaiser Konstantin das berühmte Erste Konzil von Nicäa ab, das heute als erste ökumenisches Konzil gilt.)

Dort also lag das Zentrum der Fliesenkunst. Auf Türkisch spricht man von çini, darunter werden nicht nur Keramikfliesen und -kacheln verstanden, sondern auch Teller und Gefäße aus Porzellan mit farbigen Glasuren und Fayencen. Die floralen und geometrischen Motive sind z. B. auch zu finden auf den beliebten Mokkatassen, aus denen türkischer Kaffee getrunken wird.

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Geometrische Muster in der islamischen Kunst

Ein hervorstechendes Merkmal islamischer Kunst sind die abstrakten, nicht figürlichen Darstellungen, die ihren vollendeten Ausdruck in geometrischen Mustern finden. Diese regelmäßig gebildeten Muster sind in allen Bereichen der islamischen Kunst zu finden, angefangen bei steinernen Ornamenten an Gebäuden über kunstvolle Verzierungen aus Holz bis hin zu farbigen Ornamenten und Arabesken auf Fliesen, um nur einige kunstvolle Einsatzmöglickeiten in islamischer Architektur und orientalischem Kunsthandwerk zu nennen.

Die Regelmäßigkeit der Muster beruhigt Augen und Sinne. Das wissen die Menschen zu schätzen, die das Ausmalen geometrischer Muster und kunstvoller Arabesken als Lifestyle-Element für sich entdeckt haben (mehr dazu hier: Malen mit orientalischen Motiven).

Wer sich für die echten Grundlagen der islamischen geometrischen Designelemente interessiert, dem seien die Bücher von Eric Broug empfohlen. Sie sind in englischer Sprache erhältlich und bringen die Kunst islamischer Ornamente näher. Gerade erschien sein Malbuch zum islamischen Design: Islamic Design Workbook (Drawing Books)*.

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Was die Uhr zeigt

Der höchste Uhrturm der Welt, im Bild oben zu sehen, steht derzeit in Mekka. Einschließlich Spitze misst er 601 Meter und überragt damit die Masdschid al-Haram, die Heilige Moschee in Mekka mit der Kaaba, um Längen, wie unschwer auf dem Foto aus dem Jahr 2012 zu erkennen ist.

Uhrtürme haben eine lange Geschichte. Aus der Antike ist der Turm der Winde in Athen bekannt, der erstmals im 1. Jh. v. Ch. erwähnt wurde. Im 13. Jh. entstand der Grazer Uhrturm, zahlreiche weitere Uhrtürme in anderen europäischen Städten folgten.

Zu den architektonischen Spuren, die das Osmanische Reich auf dem Balkan hinterließ, gehören auch zahlreiche Uhrtürme. Auf Türkisch werden sie Saat Kulesi genannt, in den südslawischen Sprachen sind sie als Sahat Kula bekannt. Der älteste osmanische Uhrturm wurde 1610 in Prizren (Kosovo) errichtet. Noch heute zeugen in vielen Städten auf dem Balkan Uhrtürme von einem Kapitel türkischer Geschichte. 

Der hier zu sehende Uhrturm steht in Sarajevo:

Sahat kula (1)

Das ganz Besondere an ihm ist sein Ziffernblatt. Es zeigt nämlich, anders als die Uhr in Mekka, nicht die übliche Uhrzeit an. Die Uhr in Sarajevo ist eine Uhr für die Gebetszeiten mit arabischen Zahlen. Noch bemerkenswerter ist, dass das Uhrwerk tatsächlich für die islamischen Gebetszeiten ausgerichtet ist. Die Anzeige der Uhr beginnt um 0 Uhr mit dem Sonnenuntergang. Da die Länge der Tage im Laufe des Jahres variiert und sich die Gebetszeiten verschieben, ist das regelmäßige Einstellen der Uhr ein komplizierter Vorgang, der besonderer Sorgfalt bedarf. 

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Stadtentwicklung und Religion

Formen religiöser Gentrifizierung (städtischer Strukturwandel mit steigenden Mieten) in Jakarta und Istanbul schildern Hew Wai Weng und Ayşe Çavdar vom Zentrum Moderner Orient Berlin in Welche Rolle spielt Religion in der Stadtentwicklung?

Im Nahen und Mittleren Osten haben sich schon vor tausenden von Jahren sehr beeindruckende Hochkulturen und Städte entwickelt. Seit dem Aufkommen des Islam im 6. Jh. lässt sich eine islamisch-orientalische Prägung von Städten in diesem Kulturraum beobachten. Islamisch-orientalische Städte zeichnen sich aus durch eine große Moschee im Stadtzentrum mit dem Suq oder Bazar gleich in der Nähe. Traditionell umfasst dieser Bereich Einzelhandel und Handwerk, wobei sich alle Läden und Werkstätten einer Stadt auf diesen Bereich konzentrieren.

Der Suq war ein reines Wirtschaftszentrum, zum Wohnen dienten Wohnviertel, die wiederum kleinere eigene Einheiten biklden konnten mit einer kleineren Moschee und einem kleineren eigenen Suq. Die Bewohner eines Stadtviertels gehörten oft einer bestimmten ehtnischen Gruppe an. Ein bekanntes Beispiel ist der Istanbuler Stadtteil Galata, der früher als Viertel der italienischen und "fränkischen" Händler und ihrer Familien galt.

Bei den modernen Formen islamischer Stadtentwicklung lässt sich beobachten, dass Wohnviertel spezielle muslimische Bedürfnisse berücksichtigen, zum Beispiel durch ein Angbeot an islamischen Banken und Lebensmittelgeschäften mit Halal Food, durch eigens errichtete Moscheen mit dem dazugehörigen Angebot wie etwa Korankursen. Ergänzt werden solche islamischen Wohngebiete durch ungeschriebene Verhaltensvorschriften und -konventionen, etwa in Bezug auf Kleidung und Verhalten von Frauen.

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