Die Seidenstraße

Die Seidenstraße steht für eine sehr alte Handelsroute mit magischem Klang. Orte wie Samarkand, Buchara und Taschkent fallen einem vielleicht dazu ein oder unvergessene Reisende wie Marco Polo, der Ende des 13. Jahrhunderts entlang der Seidenstraße bis China reiste und für europäische Ohren damals Unglaubliches zu berichten wusste von den Wundern einer fernen Welt.

Die Seidenstraße war naturgemäß kein einzelner Weg, der schnurstracks von Asien nach Europa führte und in seiner ganzen Länge bereist wurde. Vielmehr umfasst der Begriff ein ganzes Netz an zahlreichen Wegen, die alle vor allem einem Zweck dienten: dem Handel zwischen Osten und Westen. Schon in der Antike und damit lange vor Marco Polos Zeit wurde so im Westen mit Seide aus China gehandelt, während etwa in Indien u. a. Wolle, Gold und Silber aus dem Westen begehrte Handelsobjekte waren. 

Neben dem Austausch von Waren und Nahrungsmitteln war eine andere Begleitwirkung der legendären Seidenstraße mit ihren zahlreichen Kamelkarawanen, dass natürlich auch Gedanken und kulturelle Errungenschaften quasi im Vorübergehen ausgetauscht wurden. Ein solcher Austausch findet oft im Alltäglichen stand und lässt sich dann nicht genau bemessen. An besonderen Errungenschaften aber wird klar, wie wichtig die Seidenstraße für die Verbreitung war: Die Herstellung von Papier und der Buchdruck zum Beispiel gelangten mithilfe der wichtigen Handelsstraße vom Fernen Osten bis nach Europa.

Erst mit der zunehmenden Bedeutung von Schiffen und damit dem Seehandel verlor der Landweg zwischen Westen und Osten an Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten hat man sich an die Bedeutung der Landwege erinnert, verschiedene Initiativen haben die Verbesserung der Infrastruktur entlang der alten Hauptrouten zum Ziel. Zu diesen Projekten zur Etablierung einer „neuen Seidenstraße“ gehört die von China im Jahr 2013 initiierte „Belt and Road Initiative“(BRI), mit der chinesische Wirtschaftsbeziehungen in Asien, Europa und Afrika vorangetrieben werden sollen.

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West-östlicher Diwan

200 Jahre ist es her, dass ein in vielfacher Hinsicht bemerkenswertes deutschsprachiges Werk veröffentlicht wurde: Im Jahr 1819 erscheint die umfangreiche Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ zum ersten Mal, Verfasser ist kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe.Inspiriert zu dieser Gedichtsammlung wurde er von einem der bekanntesten persischen Mystiker und Dichter aus Schiraz, (Mohammed Schamseddin) Hafis (oder Hafez), der im 14. Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte. Hafis' Hauptwerk ist eine Sammlung von Gedichten im ursprünglich arabischen Versmaß Ghazel. Die Themen reichen von Liebe und Sehnsucht hin zu mystischen Themen ebenso wie von weltlicher Lebensfreude bis zur Kritik an bigotten Verhaltensweisen.

Goethe lernte Hafiz' Gedichtsammlung durch die deutsche Übersetzung kennen, die Joseph von Hammer-Purgstall 1812 veröffentlichte. Der Diwan war nicht Goethes einzige Quelle zum Islam und zum islamischen Kurlturkreis, er konnte auch auf Koranübersetzungen in deutscher und lateinischer Sprache zurückgreifen. Die europäische Faszination und Beschäftigung mit der Welt des Islam und damit die kulturelle Auseinandersetzung mit einer scheinbar fremden und weit entfernten Welt begann also ganz offensichtlich lange vor den Migrationsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Dies schlägt sich nicht nur in Goethes literarischem Schaffen nieder, sondern auch in ganz unterschiedlichen Werken deutscher Literatur, etwa in Rilkes Sonett „Mohammeds Berufung“, aber auch in den einst so beliebten Romanen eines Karl May (zum Weiterlesen im Netz: „Orient und Okzident“ von Karl Detering).

Der Dvan bei Goethe schreibt sich mit v, heute üblich ist die Schreibung Diwan mit w wie für Hafis' Gedichtsammlung. Diwan steht nicht nur für eine gepolsterte, niedrige (Sitz-)Liege, sondern war auch in der Verwaltunssprache üblich, etwa für eine Ratsversammlung, aber auch für ein Verzeichnis von Schriftstücken. Oder, wie bei Goethe und Hafis, für eine Sammlung von Gedichten.

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Osmanisch-islamischer Friedhof auf Malta

Friedhöfe erzählen immer auch ein gutes Stück Kulturgeschichte – gerade dann, wenn es um den Friedhof einer Gemeinschaft geht, die sich in einem Land in der Minderheit befindet. So verhält es sich zum Beispiel mit christlichen Friedhöfen in Istanbul, so ist es aber auch beim muslimischen Friedhöfen in mehrheitlich christlichen Ländern.

Ein Beispiel ist Malta, dessen Geschichte vor einigen hundert Jahren durch kämpferische Auseinandersetzungen mit osmanischen Seestreitkräften geprägt wurde. Aber der muslimische Friedhof, der nun auf Betreiben von Maltesern und Türken bewahrt werden soll, ist jüngeren Datums. Er wurde 1873/1874 auf Betreiben des Sultans Abdülhamid I. in Auftrag gegeben und von dem maltesischen Architekten Emmanuele Luzigi Galizia geplant. Der Friedhof in Marsa gilt heute als besonders sehenswertes Beispiel für neoosmanische Baukunst.

Errichtet wurde der Friedhof tatsächlich im Gedanken an all die osmanisch-türkischen Soldaten, die in den Schlachten um Malta ihr Leben verloren. Der Friedhof erinnert auch an den berühmten türkischen Seemann Turgut Reis, der im Jahr 1565 auf Malta starb. Der ihm zu Ehren Turgutreis genannte Ort liegt in der Nähe seines Geburtsorts nicht weit von Bodrum in der Türkei.

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